Neue Strategien sind gefragt
Eine langfristige Koexistenz von Mensch und grossen Beutegreifern ist nur möglich, wenn die Interessen der Gesellschaft und der Ökologie gleichermassen berücksichtigt werden. Es ist nachvollziehbar, dass die Rückkehr der grossen Beutegreifer für Verunsicherung und für Emotionen sorgt. Diese sind menschlich und ernst zu nehmen. Neue Situationen fordern uns heraus. Es liegt aber auch im menschlichen Wesen, mit Herausforderungen umgehen zu können und neue Lösungen zu entwickeln. Diese Resilienz zeichnet die Entwicklung der Menschheit besonders aus.
Beispiele aus dem Ausland zeigen, dass die Koexistenz mit den grossen Beutegreifern möglich ist. So sind die grossen Beutegreifer in den italienischen Abruzzen und in Teilen Nordspaniens immer präsent gewesen, und die Menschen haben sich mit ihnen arrangiert. Ein Schlüssel war und ist dabei der konsequente und kreative Herdenschutz. Dank Herdenschutzmassnahmen können Übergriffe auf das Vieh erheblich reduziert werden. Diese aufwändigen und kostenintensiven Schutzmassnahmen werden von Bund und Kanton unterstützt, doch verbleibt für die Alpbetriebe ein erheblicher Mehraufwand.
Die grossen Beutegreifer leisten wichtige Beiträge zu einem intakten Ökosystem. Mit Respekt und Toleranz ermöglichen wir ihnen eine erfolgreiche Rückkehr in ihre ursprünglichen Lebensräume, als Bereicherung unserer einheimischen Natur.
Herdenschutz als Schlüsselfaktor
Der Schweizerische Nationalpark (SNP) ist sich der Herausforderungen für die Alpwirtschaft bewusst und möchte sie mit gezielten Massnahmen unterstützen. Der SNP ist kein Spezialist für Fragen des Herdenschutzes. Er kann jedoch seine Erfahrungen mit Besenderungen und sein technisches Know-how im Bereich der geografischen Informationssysteme (GIS) einbringen. In einem ersten Schritt führt der SNP im Sommer 2026 mit interessierten Partnern einige Pilotversuche auf Alpen in der Nationalparkregion durch. Dabei geht es zum Beispiel um die Evaluation von geeigneten Halsbandsendern, mit denen Herdenschutzhunde und Leittiere ausgerüstet werden können, um ihre Aufenthaltsorte aufzuzeigen.
Ziel dieser Massnahmen ist es, die technischen und logistischen Möglichkeiten zu nutzen und zu optimieren und damit die Alpwirtschaft zu unterstützen. Erfahrungen aus dem Ausland zeigen, dass durch gezielte Optimierung der Massnahmen der Verlust von Weidetieren durch Wolfsrisse erheblich gemindert werden kann.
Das Halten von Herdenschutzhunden ist anspruchsvoll und beim Kontakt mit Einheimischen und Gästen kann es zu Konflikten kommen, insbesondere auch mit Hunden. Deshalb ist es wichtig, dass alle Beteiligten die Verhaltensregeln kennen und auch befolgen. Auch in diesem Bereich engagiert sich der SNP mit seinen Partnern, damit Einheimische und Gäste in Zukunft tagesaktuell wissen, wo sich von Hunden beschützte Herden befinden.
Links:
Agridea/Herdenschutz Schweiz
Herdenschutzorganisation Oppal