Neue Sonderausstellung zu den Rabenvögeln

Am 14. März eröffnet der Schweizerische Nationalpark in seinem Besucherzentrum in Zernez die neue Sonderausstellung Rabenvögel – schlaue Biester mit schlechtem Ruf. Die Ausstellung thematisiert unter anderem auch den Logovogel des Nationalparks, den Tannenhäher.

Die Beziehung von uns Menschen zu den Raben ist von Faszination und Vorurteilen geprägt. Einerseits hochstilisiert zum Göttervogel, andererseits verschrien als Unglücksbringer, wecken die Rabenvögel höchst ungleiche Assoziationen. Von den weltweit 120 Corviden, die zu den Singvögeln gehören, brüten 9 auch in der Schweiz. Unbestritten ist die aussergewöhnliche Auffassungsgabe und Lernfähigkeit der Rabenvögel, weshalb sie zu den intelligentesten Vögeln überhaupt zählen. Ein besonderes Beispiel dafür ist der Tannenhäher (rom. Cratschla), der im Logo des Schweizerischen Nationalparks (SNP) seine Schwingen ausbreitet. Wer genau hinschaut, entdeckt in seinem Schnabel einen Zapfen.

Gejagt und beinahe ausgerottet
Der Tannenhäher ernährt sich fast ausschliesslich von Arvennüssen. Mit seinem kräftigen Schnabel hackt er diese aus dem Zapfen heraus. Dieses Treiben blieb auch den Engadinern nicht verborgen – sammelten sie doch früher ebenfalls Arvenzapfen, damit sie an kalten Winterabenden in der Stüva etwas zum Knabbern hatten. Zusätzlich vermuteten sie, dass die Gefrässigkeit dieses Rabenvogels den Fortbestand der Arven gefährde. Deshalb wurde jeder Schütze, der einen Tannenhäher erlegte, mit einem kleinen Geldbetrag belohnt.
Glücklicherweise befassten sich auch Forscher mit dem Vogel und entdeckten dabei Erstaunliches.

Bis zu 20’000 Verstecke pro Saison
Sobald die Cratschla die Arvennüsse aus dem Zapfen gelöst hat, verschwinden sie in ihrem Kehlsack. Schwer beladen fliegt sie in ihr Revier zurück, wo sie im Boden Verstecke mit 2 bis 12 Nüssen anlegt. So vergräbt sie während einer Saison rund 100’000 Nüsse in ca. 20’000 Verstecken.
Mit dem Wintereinbruch beginnt die Sammelleidenschaft des Tannenhähers. Die Landschaft ist tief verschneit, Futter also Mangelware. Jetzt greift die Cratschla auf ihre Vorräte zurück. Zielsicher landet sie im Schnee, buddelt ein Loch und findet die vor Monaten versteckten Nüsse wieder. Wie sie sich dabei orientiert, bleibt ein Geheimnis der Natur.

Gärtner der Arve
Trotz aller bewundernswerten Fähigkeiten dieses Vogels, findet er letztlich „nur“ 80 Prozent der versteckten Nüsse wieder. Aus dem Rest wachsen die neuen Arvenkeimlinge. Seit die symbiotische Beziehung zwischen Arve und Tannenhäher bekannt ist, steht er unter Schutz.
Dieses, auf den ersten Blick nicht ersichtliche, wunderbare Zusammenspiel in der Natur war für die Verantwortlichen des SNP der Grund, die Cratschla als Logovogel auszuwählen.

Rabenvögel zu Gast im Besucherzentrum
Der Lebensgemeinschaft zwischen Arve und Tannenhäher ist in der auch im Winter geöffneten Dauerausstellung des Besucherzentrums in Zernez ein separates Modul gewidmet.
Die Rabenvögel erhalten ab dem 14. März 2013 in der Sonderausstellung „Raben – Schlaue Biester mit schlechtem Ruf“ noch eine zusätzliche Plattform. Diese Ausstellung wurde von den Naturmuseen Olten und St. Gallen konzipiert und vermittelt einen Überblick über die Vielfalt der Tierfamilie der Rabenvögel sowie die erstaunlichen Leistungen der einzelnen Arten. Die Ausstellung zeigt auch, weshalb es immer wieder zu Konflikten zwischen Mensch und Rabenvögeln kommt.
Anlässlich der Vernissage vom 14. März 2013 um 19.15 Uhr stellen Toni Bürgin, Direktor des Naturmuseums St. Gallen und Heinrich Haller, Direktor SNP, die neue Ausstellung vor.

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Öffnungszeiten:
11. März bis 8. Mai 2013:
Mo bis Fr 9.00 bis 12.00 Uhr und 14.00 bis 17.00 Uhr
Sa und So geschlossen
9. Mai bis 28. Oktober: täglich von 8.30 bis 18.00 Uhr

Weitere Informationen:

SCHWEIZERISCHER NATIONALPARK
Tel. 081 851 41 11
Email: lozza(at)nationalpark.ch
Internet: www.nationalpark.ch

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