{"id":21488,"date":"2020-02-18T11:09:27","date_gmt":"2020-02-18T10:09:27","guid":{"rendered":"https:\/\/nationalpark.08eins-preview.ch\/blog\/forschung\/zuckmuecken-copy\/"},"modified":"2020-02-18T11:09:27","modified_gmt":"2020-02-18T10:09:27","slug":"gewaesservielfalt-macun","status":"publish","type":"forschung_cpt","link":"https:\/\/nationalpark.ch\/rm\/forschung\/gewaesservielfalt-macun\/","title":{"rendered":"Gew\u00e4sservielfalt Macun"},"content":{"rendered":"<p><em>Ein Beitrag von Andrea Millh\u00e4usler &amp; Hans Lozza<br \/>\nSchweizerischer Nationalpark<\/em><br \/>\n<em>10. Februar 2020<\/em><\/p>\n<p><strong>Im Vergleich zu Weihern im Mittelland ist die Artenvielfalt in den Seen, Weihern und T\u00fcmpeln auf Macun aufgrund der H\u00f6henlage (rund 2600 m \u00fc. M.) sehr gering. Allerdings gibt es auch hier Spezialisten, die nur in solchen Hochlagen vorkommen. Die gestiegenen Wassertemperaturen haben in den letzten 10 Jahren zu einer Zunahme der Arten gef\u00fchrt. Auch hier wird erwartet, dass langfristig die K\u00e4ltespezialisten mit ihren faszinierenden Anpassungsstrategien von den w\u00e4rmeliebenden \u00abAllerweltsarten\u00bb verdr\u00e4ngt werden.<\/strong><\/p>\n<p><em>Titelbild: Die Gew\u00e4sser von Macun werden von zwei unterschiedlichen Einzugsgebieten gespeist: das n\u00f6rdliche Einzugsgebiet von Niederschl\u00e4gen, das s\u00fcdliche vom Schmelzwasser der Blockgletscher (rechts). Die unterschiedliche F\u00e4rbung des Wassers gibt einen ersten Hinweis auf die Lebensraumvielfalt.<\/em><\/p>\n<p>Die Artenzusammensetzung\u00a0in den Gew\u00e4ssern des Schweizerischen Nationalparks (SNP) ist typisch f\u00fcr diese H\u00f6henlage: Sie wiederspiegelt die grosse Vielfalt an Lebensr\u00e4umen \u2013 von \u00fcberrieselten Felsw\u00e4nden \u00fcber\u00a0jahreszeitlich austrocknende\u00a0T\u00fcmpel\u00a0bis zu dynamischen Bergb\u00e4chen. Die Anzahl vorkommender Arten ist in dieser H\u00f6henlage jedoch vergleichsweise gering. In den Seen, Weihern und T\u00fcmpeln auf Macun im SNP kommen beispielsweise ein bis zwei Wasserk\u00e4ferarten vor, im Vergleich zu zw\u00f6lf\u00a0Arten im Mittelland. Wichtig ist jedoch die Zahl der hochspezialisierten Arten, welche besonders sensibel auf Umweltver\u00e4nderungen reagieren.<\/p>\n<p>Seit den 1930er Jahren ist die Gew\u00e4sserfauna auf der Seenplatte\u00a0Macun\u00a0sehr gut, aber noch nicht vollst\u00e4ndig bekannt. Sie reicht\u00a0von Algen \u00fcber Wasserinsekten (z.B. Eintags- und\u00a0Steinfliegen oder Zuckm\u00fccken), Milben, Schnecken und Muscheln bis zu\u00a0Fischen.\u00a0Seit 2001 werden hier\u00a0(auf rund 2600 m \u00fc.M.) j\u00e4hrlich Aufnahmen von Wasserinsekten, Kieselalgen oder Fischen durchgef\u00fchrt. Die hochspezialisierten Wasserinsekten reagieren besonders sensibel auf Klimaver\u00e4nderungen. Um mit den stark schwankenden Bedingungen dieser oft \u00fcber lange Zeit gefrorenen und teilweise ausgetrockneten kleinen Seen umzugehen, haben sie sich besondere Strategien zugelegt. So weichen gewisse Insekten den kalten Temperaturen aus, indem sie beispielsweise als Ei oder Junglarve eine Entwicklungspause einlegen, bis die Temperatur wieder ansteigt. Wird es dann jedoch zu warm, sterben ihre Larven ab.<\/p>\n<p>In den Macun-Seen hat sich in den letzten rund 10 Jahren nicht nur die chemische und physikalische Zusammensetzung des Wassers ver\u00e4ndert, sondern auch die Artenzusammensetzung. Gerade bei den Gew\u00e4ssern, welche von ehemaligem Gletschereis und\u00a0Eis aus den Blockgletschern gespeist\u00a0werden, sind die Ver\u00e4nderungen durch den Klimawandel besonders gross.<br \/>\nDie gestiegenen Wassertemperaturen haben auch hier jedoch grunds\u00e4tzlich zu einer Zunahme der Arten gef\u00fchrt (bessere Umweltbedingungen f\u00fcr Wasserinsekten beispielsweise). So wurden beispielsweise bei Untersuchungen im Jahr 2014 zwei neue Arten von Steinfliegen, die aus tieferen Regionen stammen, festgestellt (<em>Perla grandis<\/em> und <em>Leuctra moselyi<\/em>). Auch die Alpen-Smaragdlibelle <em>Somatochlora alpestris<\/em> wurde in einem T\u00fcmpel auf 2628 m \u00fc. M. nachgewiesen. Es ist der erste Schl\u00fcpfnachweis f\u00fcr eine Alpen-Smaragdlibelle in dieser H\u00f6he. Es ist zu erwarten, dass noch mehr Arten die Flucht von tieferen Regionen nach oben gelingen wird.<\/p>\n<p>Die einwandernden Arten sind oft an den Konkurrenzdruck tieferer Lagen gewohnt, entsprechend also konkurrenzst\u00e4rker als die K\u00e4lte-angepassten Spezialisten. Auch hier gilt demnach: Besonders bedroht sind in hochalpinen Gew\u00e4ssern die an die K\u00e4lte angepassten Pflanzen und Tiere. Darunter sind besonders viele endemische Arten, die nur an wenigen Orten vorkommen. Sie werden langfristig von den w\u00e4rmeliebenden Arten verdr\u00e4ngt. Auch hier geschieht, \u00e4hnlich wie bei der Gipfelflora, eine Vereinheitlichung der Lebensr\u00e4ume und der Artenanzahl. Sprich, die genetische Vielfalt insgesamt wird abnehmen.<\/p>\n<p>Die hydrologischen Untersuchungen an Quellen im SNP aus den 1940er-Jahren geh\u00f6ren \u00fcbrigens zu den ersten umfassenden Quellstudien im ganzen Alpenraum und sind deshalb sehr bedeutsame Referenzen.<\/p>\n<h4><strong>Literatur:\u00a0<\/strong><\/h4>\n<ul>\n<li>Robinson, C. T., L. Seelen &amp; B. Kawecka (2013): Die Gew\u00e4sser von Macun. Bedeutung eines Biomonitorings. In: Haller, H., A. Eisenhut &amp; R. Haller (Hrsg.): Atlas des Schweizerischen Nationalparks. Die ersten 100 Jahre. Nat.park-Forsch. Schweiz 99\/1. Bern: Haupt Verlag: 204-205<\/li>\n<li>Alther, R., C. Thompson, B. Lods\u2010Crozet &amp; C.T. Robinson (2019): Macroinvertebrate diversity and rarity in non-glacial Alpine streams. Aquatic Sciences: 81:42 \u00a0<a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/profile\/Brigitte_Lods-Crozet\/publication\/332402564_Macroinvertebrate_diversity_and_rarity_in_non-glacial_Alpine_streams\/links\/5cca94ad299bf120978f5892\/Macroinvertebrate-diversity-and-rarity-in-non-glacial-Alpine-streams.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u2192 Online zum Nachlesen<\/a><\/li>\n<li>Baur, B. &amp; T. Scheurer (Red.) (2014): Wissen schaffen. 100 Jahre Forschung im Schweizerischen Nationalpark. Nationalpark-Forschung in der Schweiz 100\/I. Haupt Verlag Bern. Kapitel Robinson et al. (2014): Gew\u00e4sser reagieren auf Umweltver\u00e4nderungen. 270-292.\u00a0<a href=\"https:\/\/shop.nationalpark.ch\" rel=\"noopener\">\u2192 Buch kaufen<\/a><\/li>\n<li>Ilg C., E. Demierre, A.-S. Reymond &amp; B. Oertli (2013): Alpen-Smaragdlibelle in Weltrekordh\u00f6he. In: Cratschla 2\/2013: 3\u00a0<a href=\"https:\/\/www.e-periodica.ch\/digbib\/volumes?UID=cra-001\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u2192 Cratschla Online lesen<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"template":"","forschung_category":[48,64],"class_list":["post-21488","forschung_cpt","type-forschung_cpt","status-publish","hentry","forschung_category-alle","forschung_category-biodiversitaet"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Gew\u00e4sservielfalt Macun - Parc Naziunal Svizzer<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/nationalpark.ch\/rm\/forschung\/gewaesservielfalt-macun\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"ro_RO\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Gew\u00e4sservielfalt Macun - Parc Naziunal Svizzer\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Ein Beitrag von Andrea Millh\u00e4usler &amp; Hans Lozza Schweizerischer Nationalpark 10. 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