{"id":23515,"date":"2026-10-12T12:37:16","date_gmt":"2026-10-12T10:37:16","guid":{"rendered":"https:\/\/nationalpark.ch\/?post_type=forschung_cpt&#038;p=28503"},"modified":"2026-10-12T12:37:16","modified_gmt":"2026-10-12T10:37:16","slug":"unsichtbare-tierspuren-sichtbar-machen","status":"publish","type":"forschung_cpt","link":"https:\/\/nationalpark.ch\/it\/forschung\/unsichtbare-tierspuren-sichtbar-machen\/","title":{"rendered":"Unsichtbare Tierspuren sichtbar machen"},"content":{"rendered":"<p><em>Ein Beitrag von Flurin Leugger und Martina L\u00fcthi (beide Eidg. Forschungsanstalt WSL und ETH Z\u00fcrich)<br \/>\n12. Oktober 2026<\/em><\/p>\n<p><strong>Was heute wie Science-Fiction klingt, k\u00f6nnte schon bald Standardwerkzeug des Naturschutzes sein: Umwelt-DNA aus Bachwasser gen\u00fcgt, um verborgene tierische Bewohner einer ganzen (Berg-)Landschaft sichtbar zu machen \u2013 selbst, wenn sie sich Kilometer entfernt zwischen Felsen und Ger\u00f6ll bewegen. Eine Studie hat die Methode im Schweizerischen Nationalpark getestet.<\/strong><\/p>\n<p><em>Titelbild: Probenahme von Umwelt-DNA mithilfe von Pumpen im Val Foraz (\u00a9 Flurin Leugger).<\/em><\/p>\n<p>Ein schmaler Bergbach rauscht talw\u00e4rts. Was viele beim Anblick des klaren Wassers nicht ahnen: Es ist eine wahre Schatzkiste. Das Wasser tr\u00e4gt winzige DNA-Spuren mit sich \u2013 etwa aus Hautschuppen, Haaren, Speichel oder Kot von Tieren, die weiter oben im Einzugsgebiet des Bachs unterwegs sind.<br \/>\nWie wir uns diese Spuren zu Nutze machen k\u00f6nnen, haben wir im Schweizerischen Nationalpark (SNP) getestet. Statt steile H\u00e4nge zu erklimmen oder stundenlang mit dem Fernglas nach Wildtieren Ausschau zu halten, entnahmen wir Wasserproben aus sechs verschiedenen B\u00e4chen: Beim Ausfluss der Macun-Seen, in der Val Cluozza, der Val dal Botsch, Val Foraz, Val Tantermozza und in der Val Trupchun. An jedem Standort liessen wir das Bachwasser mithilfe von Pumpen durch spezielle Filter \u2013 ein \u00e4hnlicher Vorgang wie beim Kaffee-filtrieren. Im Labor suchten wir anschliessend nach Umwelt-DNA, kurz eDNA: den genetischen Spuren, die Tiere in ihrer Umgebung hinterlassen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/nationalpark.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Abbildung_1_\u00a9Martina_Luethi.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-28504\" src=\"https:\/\/nationalpark.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Abbildung_1_\u00a9Martina_Luethi-300x300.jpg\" alt=\"komplett in weissen Schutzanzug gepackter Forscher im Labor\" width=\"500\" height=\"500\" \/><\/a><\/p>\n<p><em><strong>Abb.1: <\/strong>Damit die Proben nicht kontaminiert werden, ist im Umwelt-DNA-Labor h\u00f6chste Sorgfalt geboten, inklusive Ganzk\u00f6rperanzug (\u00a9 Martina L\u00fcthi).<\/em><\/p>\n<h5>DNA reist kilometerweit talabw\u00e4rts<\/h5>\n<p>Organisches Material von Tieren, beispielsweise Fellreste oder Kotspuren, kann durch Regenwasser in B\u00e4che eingetragen werden. Unter Umst\u00e4nden reicht bereits der Kontakt der Tiere mit dem Wasser, etwa wenn sie B\u00e4che durchqueren oder daraus trinken, damit Hautschuppen, Schleim oder andere Spuren ins Wasser gelangen und weiter talw\u00e4rts transportiert und nachgewiesen werden k\u00f6nnen. Wasserproben k\u00f6nnen deshalb Hinweise auf Tiere liefern, die man von der Probestelle aus niemals sehen w\u00fcrde.<br \/>\nUnsere Ergebnisse zeigen, wie weit solche Spuren talw\u00e4rts transportiert werden k\u00f6nnen. Selbst DNA von Steinb\u00f6cken fanden wir im Bachwasser, obwohl sie sich vermutlich mehrere Kilometer entfernt und weit oberhalb der Probestelle aufgehalten hatten.<\/p>\n<h5>Wenn der Nachweis nicht gelingt<\/h5>\n<p>So vielversprechend die Methode ist, perfekt ist sie noch nicht. W\u00e4hrend wir Arten wie Steinbock, G\u00e4mse oder Hirsch gem\u00e4ss den Beobachtungsdaten des SNPs zuverl\u00e4ssig nachweisen konnten, fehlten andere Bewohner \u00fcberraschenderweise in den Proben. Weder Murmeltier noch Schneehase konnten wir trotz ihres Vorkommens nachweisen. Ein Grund daf\u00fcr k\u00f6nnte in der geringen Konzentration der Umwelt-DNA liegen. Manchmal betr\u00e4gt diese n\u00e4mlich nur wenige DNA-Kopien. Diese wenigen Kopien m\u00fcssen deshalb w\u00e4hrend der Analyse vervielf\u00e4ltigt werden. Dies hat mit der DNA der Schneehasen und Murmeltiere nicht funktioniert \u2013 vermutlich, weil ihre DNA an einer entscheidenden Stelle eine Mutation hat.<br \/>\nAusserdem spielt die Wahl der Probestelle eine wichtige Rolle. Bei Macun fanden wir nur zwei Arten mittels Umwelt-DNA. Im Nachhinein wurde uns klar, weshalb: Wir hatten das Wasser beim Auslauf eines Sees filtriert. In einem See fliesst das Wasser nur langsam, sodass viele DNA-Partikel absinken und sich am Grund ablagern. Daher enthielt unsere Probe praktisch keine DNA-Partikel mehr.<br \/>\nDie Beispiele zeigen eindr\u00fccklich, wie sensitiv Umwelt-DNA ist und welche Limitierungen daraus resultieren. Die Umwelt-DNA ersetzt die klassische Wildtierbeobachtung und Monitoringprogramme nicht \u2013 sie erg\u00e4nzt sie.<\/p>\n<h5>Ein neues Werkzeug f\u00fcr das Biodiversit\u00e4tsmonitoring<\/h5>\n<p>In unserer Studie konnten wir ausserdem aufzeigen, dass eine CRISPR-basierte Nachweismethode namens Ampliscanning gleich gut funktioniert wie das etablierte DNA-Metabarcoding. Der Vorteil: F\u00fcr Ampliscanning sind keine grossen und teuren Laborger\u00e4te notwendig, da die DNA nicht sequenziert werden muss. Unsere Arbeit an der Methode f\u00fchren wir fort: Ziel ist es, das Ampliscanning in einfache Testkits zu integrieren, die direkt im Feld benutzt werden k\u00f6nnen und eine schnelle Antwort \u00fcber das Vorkommen von Arten liefern.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/nationalpark.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Abbildung_2_\u00a9Flurin_Leugger.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-28505\" src=\"https:\/\/nationalpark.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Abbildung_2_\u00a9Flurin_Leugger-1024x723.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"353\" \/><\/a><\/p>\n<p><em><strong>Abb.2:<\/strong>\u00a0Im Vergleich zum traditionellen Monitoring schneidet die Umwelt-DNA bei den meisten untersuchten Arten gut ab. Steinbock, G\u00e4mse, Rothirsch, Rotfuchs und Reh konnten alle durch eDNA nachgewiesen werden. Beim Murmeltier und Schneehasen gelingen die Nachweise noch nicht, obwohl diese beiden Tierarten teilweise in relativ hohen Dichten vorkommen. Die Tiere von oben nach unten: Steinbock, Murmeltier, Schneehase, G\u00e4mse, Rothirsch, Rotfuchs, Reh. (\u00a9 Flurin Leugger)<\/em><\/p>\n<p>Analysen mittels Umwelt-DNA er\u00f6ffnen somit neue M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die grossr\u00e4umige und langfristige \u00dcberwachung der Biodiversit\u00e4t \u2013 zum Beispiel f\u00fcr Initiativen wie WildinSync, die ein weltweites Netzwerk zur Erfassung der biologischen Vielfalt aufbauen wollen. Dar\u00fcber hinaus erm\u00f6glicht das Monitoring mittels Umwelt-DNA, schwer zug\u00e4ngliche alpine Landschaften wie den Schweizerischen Nationalpark zu \u00fcberwachen \u2013 ohne die Tiere aufzuschrecken oder sensible Lebensr\u00e4ume zu betreten.<\/p>\n<h4>Weiterf\u00fchrende Informationen<\/h4>\n<ul>\n<li>Leugger, F., M. L\u00fcthi, M. Schmidlin, S. Thurnheer, Z. Kontarakis, and L. Pellissier. 2025. \u201cCRISPR-Dx and Metabarcoding Perform Similarly for Monitoring Mammals With eDNA on the Catchment Level in High-Alpine Ecosystems.\u201d Environmental DNA 7 (4): e70161. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1002\/edn3.70161\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/doi.org\/10.1002\/edn3.70161<\/a>.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"author":24,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"template":"","forschung_category":[48,64,72],"class_list":["post-23515","forschung_cpt","type-forschung_cpt","status-publish","hentry","forschung_category-alle","forschung_category-biodiversitaet","forschung_category-gewaesser"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Unsichtbare Tierspuren sichtbar machen - Parco Nazionale Svizzero<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/nationalpark.ch\/it\/forschung\/unsichtbare-tierspuren-sichtbar-machen\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"it_IT\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Unsichtbare Tierspuren sichtbar machen - Parco Nazionale Svizzero\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Ein Beitrag von Flurin Leugger und Martina L\u00fcthi (beide Eidg. 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