{"id":23514,"date":"2026-10-08T17:09:33","date_gmt":"2026-10-08T15:09:33","guid":{"rendered":"https:\/\/nationalpark.ch\/?post_type=forschung_cpt&#038;p=28461"},"modified":"2026-10-08T17:09:33","modified_gmt":"2026-10-08T15:09:33","slug":"god-da-tamangur-die-geschichte-eines-symboltraechtigen-waldes","status":"publish","type":"forschung_cpt","link":"https:\/\/nationalpark.ch\/it\/forschung\/god-da-tamangur-die-geschichte-eines-symboltraechtigen-waldes\/","title":{"rendered":"God da Tamangur: Die Geschichte eines symboltr\u00e4chtigen Waldes"},"content":{"rendered":"<p><em>Beitrag von Matthias B\u00fcrgi, Susan Lock, WSL, erschienen im Magazin Allegra Nr. 5, So 2026<\/em><\/p>\n<p><strong>Der God da Tamangur in der Val S-charl ist Europas h\u00f6chstgelegener geschlossener Arvenwald. Eine WSL-Studie zeigt seine Entwicklung vom lichten Weidewald zum Naturwaldreservat und beleuchtet seine Bedeutung f\u00fcr Natur, Kultur und Inspiration \u2013 gestern wie heute.<\/strong><\/p>\n<p>Einer der bekanntesten W\u00e4lder der Schweiz liegt weit hinten in der Val S-charl: der God da Tamangur. Er ist der h\u00f6chstgelegene, geschlossene Arvenwald Europas und in ihm wachsen uralte, m\u00e4chtige Baumindividuen. Zudem ist er eingebettet in die wundersch\u00f6ne Landschaft der Val S-charl mit ihren Alpweiden und Feuchtgebieten. Im Laufe der Jahrhunderte liessen sich immer wieder Menschen von diesem Wald ber\u00fchren, zu k\u00fchnen Projekten anregen und zu kreativen Werken inspirieren.<\/p>\n<h5><strong>Projekthintergrund und Unterst\u00fctzung<\/strong><\/h5>\n<p>Der Geschichte dieses Waldes, seiner Entwicklung und seiner Wahrnehmung dokumentiert ein k\u00fcrzlich abgeschlossenes Forschungsprojekt der Eidgen\u00f6ssischen Forschungsanstalt WSL. Dieses wurde angeregt und unterst\u00fctzt durch Angelika Abderhalden, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der UNESCO Biosfera Engiadina Val M\u00fcstair. Zudem erhielt das Projekt vom Amt f\u00fcr Wald und Naturgefahren und dem Amt f\u00fcr Natur und Umwelt des Kantons Graub\u00fcnden finanzielle Unterst\u00fctzung. Dar\u00fcber hinaus profitierte es stark von der Hilfe und den Informationen zahlreicher lokaler Expertinnen und Experten \u2013 ihnen allen sei bei dieser Gelegenheit herzlich gedankt!<br \/>\nDie Ergebnisse, die in ausf\u00fchrlicher Form in einem Bericht vorliegen (siehe untenstehenden QR-Code), werden im Folgenden kurz zusammengefasst.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/nationalpark.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/qrcode-Ber-170-Tamangur.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-28469 size-medium\" src=\"https:\/\/nationalpark.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/qrcode-Ber-170-Tamangur-300x300.png\" alt=\"QR-Code WSL-Bericht God da Tamangur\" width=\"300\" height=\"300\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Unter diesem QR-Code ist der vollst\u00e4ndige WSL-Bericht zum God da Tamangur einsehbar.<\/em><\/p>\n<h5><strong>Wechselvolle Geschichte<\/strong><\/h5>\n<p>Dass im God da Tamangur viele sehr alte B\u00e4ume stehen, bedeutet keineswegs, dass er sich nicht im Laufe der Zeit ver\u00e4ndert hat. Diese Ver\u00e4nderungen in der Waldstruktur und die daf\u00fcr verantwortlichen Ver\u00e4nderungen in der Waldnutzung lassen sich aufgrund von forstlichen Planungsdokumenten, historischen Fotografien, Luftbildanalysen und Interviews untersuchen. Es zeigt sich, dass die jahrhundertelange Beweidung das Aufkommen junger B\u00e4ume stark einschr\u00e4nkte. Dies f\u00fchrte dazu, dass der God da Tamangur zu Beginn des 20. Jahrhunderts vorwiegend aus sehr alten, m\u00e4chtigen Arven bestand. Es war ein locker bestockter, lichter Wald, in dem zudem viele abgestorbene Arven standen, da tote Arven \u00fcber sehr lange Zeit als sogenannte D\u00fcrrst\u00e4nder stehen bleiben k\u00f6nnen. Dieses Waldbild hinterliess bei manchen Besuchern den Eindruck eines sterbenden Waldes. Im Laufe des 20. Jahrhunderts ging die Beweidung zur\u00fcck und wurde schliesslich weitgehend aufgegeben, als der God da Tamangur gegen Ende des 20. Jahrhunderts aufgrund seiner Einzigartigkeit zum Naturwaldreservat erkl\u00e4rt wurde. Das Waldbild hat sich insgesamt vor allem durch diesen R\u00fcckgang der Beweidung ver\u00e4ndert und wird heute in weiten Teilen von kr\u00e4ftigem Jungwuchs gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/nationalpark.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Bild-1-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-28471 size-large\" src=\"https:\/\/nationalpark.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Bild-1-scaled-e1791471515338-1024x676.jpg\" alt=\"God da Tamangur 1901\" width=\"1024\" height=\"676\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Die \u00e4lteste bekannte Gegenhangaufnahme des God da Tamangur zeigt, wie licht und l\u00fcckig der Wald durch die jahrhundertelange Beweidung geworden war. Foto vermutlich 23.8.1901, weitere Angaben im WSL-Bericht.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/nationalpark.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Bild-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-28462 size-large\" src=\"https:\/\/nationalpark.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Bild-2-1024x576.jpg\" alt=\"Arvenwald von Tamangur heute\" width=\"1024\" height=\"576\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Heute pr\u00e4sentiert sich der God da Tamangur als dichter, geschlossener Arvenwald. (Foto: Susan Lock, WSL, 2024).<\/em><\/p>\n<h5><strong>Inspiration f\u00fcr Gesellschaft und Kultur<\/strong><\/h5>\n<p>Die vielen toten und scheinbar sterbenden Arven machten den God da Tamangur zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Wahrnehmung des Dichters Peider Lansel zu einer idealen Metapher f\u00fcr die r\u00e4toromanische Sprache, um deren Anerkennung in dieser Zeit gerungen wurde. In seinem anl\u00e4sslich der Festa Ladina von 1923 verfassten Gedicht \u00abTamangur\u00bb ruft er in diesem Sinn abschliessend auf: \u00abRumantschs, dat pro! \u2013 Spendrai tras voss\u2019amur nos linguach da la mort da Tamangur.\u00bb \/ \u00abRomanen, steht zusammen! Rettet mit eurer Liebe unsere Sprache vor dem Schicksal von Tamangur!\u00bb (\u00dcbersetzung durch Andri Peer in Lansel und Peer 1989).<br \/>\nAber auch f\u00fcr den Gebirgswaldbau war der Wald eine Inspiration. Initiierte doch Nicolin Bischoff, zeitweise Kreisf\u00f6rster von Ramosch\/Tschlin\/Samnaun, in den 1980er Jahren die Projektgruppe \u00abTamangur\u00bb, mit dem Ziel der F\u00f6rderung der Arve als wichtigen Baum im Gebirgswald.<br \/>\nVielf\u00e4ltig sind die Spuren, die der Wald in Werken von K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler hinterlassen hat. Hierzu verweisen wir gerne auf die Ausf\u00fchrungen im erw\u00e4hnten Bericht.<\/p>\n<h5><strong>Zuk\u00fcnftige Entwicklung<\/strong><\/h5>\n<p>Unsere Untersuchung erlaubt eine Einordnung der gegenw\u00e4rtigen Situation und die Entwicklungsdynamik des God da Tamangur vor dem Hintergrund sich rasch \u00e4ndernder gesellschaftlicher Bed\u00fcrfnisse und Nutzungsanspr\u00fcche. Diese Entwicklung ist nicht abgeschlossen: sicher werden sich Wald und Landschaft unter den Anspr\u00fcchen der heutigen Freizeitgesellschaft und den Auswirkungen des Klimawandels weiter ver\u00e4ndern. Zu hoffen ist, dass die ber\u00fchrende Sch\u00f6nheit und die Faszination, die vom God da Tamangur und der ihn umgebenden Landschaft ausgehen erhalten bleiben, \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0damit auch zuk\u00fcnftige Generationen von ihnen inspiriert werden.<\/p>\n","protected":false},"author":21,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"template":"","forschung_category":[74,69],"class_list":["post-23514","forschung_cpt","type-forschung_cpt","status-publish","hentry","forschung_category-landschaftsveraenderungen","forschung_category-vegetation"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.6 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>God da Tamangur: Die Geschichte eines symboltr\u00e4chtigen Waldes - Parco Nazionale Svizzero<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/nationalpark.ch\/it\/forschung\/god-da-tamangur-die-geschichte-eines-symboltraechtigen-waldes\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"it_IT\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"God da Tamangur: Die Geschichte eines symboltr\u00e4chtigen Waldes - Parco Nazionale Svizzero\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Beitrag von Matthias B\u00fcrgi, Susan Lock, WSL, erschienen im Magazin Allegra Nr. 5, So 2026 Der God da Tamangur in der Val S-charl ist Europas h\u00f6chstgelegener geschlossener Arvenwald. 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