{"id":22835,"date":"2025-11-14T09:28:17","date_gmt":"2025-11-14T08:28:17","guid":{"rendered":"https:\/\/nationalpark.ch\/?post_type=forschung_cpt&#038;p=25277"},"modified":"2026-01-01T00:09:10","modified_gmt":"2025-12-31T23:09:10","slug":"rehe-im-wandel-im-blick-der-stillen-kameras","status":"publish","type":"forschung_cpt","link":"https:\/\/nationalpark.ch\/it\/forschung\/rehe-im-wandel-im-blick-der-stillen-kameras\/","title":{"rendered":"Rehe im Wandel \u2013 im Blick der stillen Kameras"},"content":{"rendered":"<p><em>Beitrag von Julia Timcke (ZHAW\/SNP), erschienen im Magazin Allegra Nr. 1, Wi 2025<\/em><\/p>\n<h5><strong>Mit k\u00fcnstlicher Intelligenz lassen sich die Daten aus Fotofallen schneller auswerten. Im Schweizerischen Nationalpark deuten erste Hinweise auf einen R\u00fcckgang der Rehpr\u00e4senz hin. Die Ursachen sind vielf\u00e4ltig und erst der Anfang einer Reihe neuer Forschungsfragen.<\/strong><\/h5>\n<p>Ein Rehbock tritt lautlos aus dem Schatten des Waldes. Einen Moment lang bleibt er stehen, die Ohren gespitzt \u2013 <em>klick<\/em>. F\u00fcr viele Wandernde w\u00e4re das eine seltene Begegnung. F\u00fcr die kleine Kamera, die gut getarnt am Stamm einer alten Bergf\u00f6hre h\u00e4ngt, ist es nur ein weiterer Schnappschuss. Unerm\u00fcdlich wacht sie dort \u00fcber den Waldrand, bei Sonne und Schnee, und erfasst alles, was vorbeizieht: Tannenh\u00e4her, Schneehasen, Rotwild &#8211; manchmal sogar einen Wolf.<\/p>\n<p>Solche unscheinbaren Kamerafallen sind l\u00e4ngst zu unverzichtbaren Helfern im Wildtiermonitoring geworden. Sie schenken Einblicke in eine Welt, die sonst verborgen bliebe. Im Schweizerischen Nationalpark (SNP) stehen seit 2018 rund 150 dieser Ger\u00e4te im Einsatz. Sie arbeiten still, zuverl\u00e4ssig und liefern j\u00e4hrlich mehr als 100\u2019000 Aufnahmen aus der Wildnis rund um den Ofenpass.<\/p>\n<h5><strong>Von Handarbeit zur KI-Hilfe<\/strong><\/h5>\n<p>Die F\u00fclle an Bildern ist ein Schatz, aber auch eine Herausforderung. Jede Aufnahme musste bisher von Hand gesichtet werden \u2013 eine m\u00fchsame und zeitaufwendige Arbeit, die oft \u00fcber Monate dauerte. Heute k\u00f6nnen Programme mit k\u00fcnstlicher Intelligenz einen Teil davon \u00fcbernehmen. Trainiert mit Millionen von Bildern aus dem Alpenraum, erkennen sie mit erstaunlich hoher Pr\u00e4zision, welche Tierart im Bild ist und machen so aus einer Flut von Aufnahmen innert kurzer Zeit \u00fcbersichtliche Datens\u00e4tze. Das verschafft Forschenden Luft, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: die Daten zu deuten und \u00f6kologische Zusammenh\u00e4nge zu verstehen.<\/p>\n<h5><strong>Die unsichtbaren Rehe<\/strong><\/h5>\n<p>Eine Art, die im Rahmen dieses Fotofallen-Monitorings besonders im Fokus steht, ist das Reh. Im Gegensatz zum Hirsch lebt es einzelg\u00e4ngerischer, versteckter und nutzt dichteres Gel\u00e4nde, weshalb es mit klassischen Methoden schwer zu z\u00e4hlen ist. Die Kamerafallen machen es m\u00f6glich, ihre Vorkommen besser zu dokumentieren. Ein Vergleich der Bilder aus den Jahren 2018 und 2024 zeigt: Die Rehpr\u00e4senz im Untersuchungsgebiet hat sich mehr als halbiert.<\/p>\n<h5><strong>Wolf, Rothirsch oder beide?<\/strong><\/h5>\n<p>Ein solches Resultat weckt Neugier: Was steckt hinter diesem bemerkenswerten R\u00fcckgang der Pr\u00e4senz? Eine Erkl\u00e4rung k\u00f6nnte die Anwesenheit des Wolfsrudels Fuorn sein, das 2023\/24 im Gebiet lebte. Aber wir haben bisher im Untersuchungsgebiet im SNP keine Rehkadaver gefunden.<\/p>\n<p>Doch auch ohne direkte Jagd k\u00f6nnten die W\u00f6lfe das Reh beeinflusst haben und zwar indirekt, \u00fcber das Rotwild. Dieses ist im Park deutlich h\u00e4ufiger und gilt als Hauptbeute der W\u00f6lfe, wenn diese im Rudel jagen. Wenn die Hirsche wegen der W\u00f6lfe offene Fl\u00e4chen meiden und vermehrt im Wald bleiben, geraten sie dort in Konkurrenz mit den Rehen. Dies k\u00f6nnte dazu f\u00fchren, dass Rehe vermehrt in andere Lebensr\u00e4ume ausweichen und sich dies wiederum auf ihre Fitness und Reproduktion auswirkt. Oder waren es doch die Luchse? Diese agieren heimlicher und wir wissen bisher wenig, ausser, dass einzelne Luchse ebenfalls im Gebiet unterwegs sind. Wie so oft in der Natur sind die Zusammenh\u00e4nge komplex und trotz erster Hinweise braucht es weitere Untersuchungen, um die Mechanismen dahinter besser zu verstehen. Auch ob die Abnahme in diesem Gebiet dauerhaft ist oder nur eine Momentaufnahme, wissen wir noch nicht.<\/p>\n<h5><strong>Leise Technik, viele Fragen<\/strong><\/h5>\n<p>Die Rehe sind nur ein Beispiel daf\u00fcr, welche wissenschaftlichen Fragen sich mit Fotofallen-Bildern untersuchen lassen. Wie stark beeinflussen grosse Beutegreifer das Verhalten von F\u00fcchsen? Welche Rolle spielt Konkurrenz zwischen Huftieren? Und wie ver\u00e4ndern sich Best\u00e4nde \u00fcber Jahre hinweg in einem Gebiet, das vom Menschen weitgehend ungest\u00f6rt bleibt? Mit jeder neuen Datenerhebung w\u00e4chst die M\u00f6glichkeit, Zusammenh\u00e4nge zu erkennen \u2013 von Klimafolgen bis hin zu Interaktionen zwischen Arten. Und die stille Technik hat noch einen weiteren Vorteil: Sie erlaubt Einblicke in die Tierwelt, ohne diese zu st\u00f6ren. F\u00fcr den SNP bedeutet dies, dass wertvolle Daten zur Verf\u00fcgung stehen und gleichzeitig das oberste Ziel, der Schutz der Natur, gewahrt bleibt.<\/p>\n<p>Der Rehbock ist inzwischen wieder in der Verborgenheit des Waldes verschwunden. F\u00fcr uns bleibt ein solcher Moment selten. F\u00fcr die unscheinbare Kamera am Baum ist er nur ein winziges Teilchen in einem viel gr\u00f6sseren Bild. St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck entsteht daraus ein Mosaik, das zeigt, wie Wildtiere im SNP leben und sich ver\u00e4ndern. Die Kamera aber liefert nur die Puzzleteile. Sie zu ordnen, zu deuten und daraus Erkenntnisse zu formen, bleibt die Aufgabe der Forschenden.<\/p>\n","protected":false},"author":21,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"template":"","forschung_category":[73],"class_list":["post-22835","forschung_cpt","type-forschung_cpt","status-publish","hentry","forschung_category-huftiere"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Rehe im Wandel \u2013 im Blick der stillen Kameras - Parco Nazionale Svizzero<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/nationalpark.ch\/it\/forschung\/rehe-im-wandel-im-blick-der-stillen-kameras\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"it_IT\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Rehe im Wandel \u2013 im Blick der stillen Kameras - Parco Nazionale Svizzero\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Beitrag von Julia Timcke (ZHAW\/SNP), erschienen im Magazin Allegra Nr. 1, Wi 2025 Mit k\u00fcnstlicher Intelligenz lassen sich die Daten aus Fotofallen schneller auswerten. 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