{"id":24247,"date":"2026-04-17T11:04:41","date_gmt":"2026-04-17T09:04:41","guid":{"rendered":"https:\/\/nationalpark.ch\/?post_type=forschung_cpt&#038;p=26226"},"modified":"2026-06-09T19:06:36","modified_gmt":"2026-06-09T17:06:36","slug":"wildbienen-und-pflanzen-ein-zusammenleben-auf-engstem-raum-3","status":"publish","type":"forschung_cpt","link":"https:\/\/nationalpark.ch\/fr\/forschung\/wildbienen-und-pflanzen-ein-zusammenleben-auf-engstem-raum-3\/","title":{"rendered":"Wildbienen und Pflanzen \u2013 ein Zusammenleben auf engstem Raum"},"content":{"rendered":"<p><em>Beitrag von Angelika Abderhalden UBEVM, erschienen im Magazin Allegra Nr. 6, Wi 2026 (Foto oben: Zottige Felsenbiene, Nicolina Marugg)<\/em><\/p>\n<p><strong>Die teilweise verborgen lebenden Wildbienen bereichern unseren Lebensraum und tragen zur Best\u00e4ubung der Obstb\u00e4ume, Gem\u00fcse- und Wildpflanzen bei. Einige von ihnen ben\u00f6tigen spezielle Pflanzen und Habitate um zu \u00fcberleben.<\/strong><\/p>\n<p>In der Schweiz leben etwa 620 Wildbienenarten, zu denen auch die Hummeln geh\u00f6ren. Sie haben sehr unterschiedliche Anspr\u00fcche an ihren Lebensraum. So ben\u00f6tigen sie strukturreiche Fl\u00e4chen f\u00fcr ihre Nistpl\u00e4tze und ein grosses Angebot an Pflanzen zur Nahrung und als Baumaterial. Etwa die H\u00e4lfte der Wildbienen legen ihre Brutzellen in selbstgegrabenen Hohlr\u00e4umen im Boden an. Ein Viertel nutzt bestehende Hohlr\u00e4ume, seien das hohle Pflanzenst\u00e4ngel, Totholz oder Fels- und Mauerspalten. Das letzte Drittel macht es \u00e4hnlich wie der Kuckuck und legt die Eier in Brutzellen von anderen Arten ab. Deshalb werden sie auch Kuckucksbienen genannt.<\/p>\n<p>Da Wildbienen meist einzeln leben und geringe Flugdistanzen zwischen Nahrungs- und Nisthabitaten ben\u00f6tigen, sind sie auf eng vernetzte Lebensr\u00e4ume angewiesen.<\/p>\n<p>Wildbienen lassen sich sehr gut aus der N\u00e4he beobachten, da sie nicht aggressiv sind und nur stechen, wenn sie bedroht werden. Sie leisten zusammen mit den Honigbienen, Tagfaltern und weiteren Insekten einen Grossteil der Best\u00e4ubung, die f\u00fcr die Nahrungsproduktion f\u00fcr uns Menschen entscheidend ist.<\/p>\n<p>Im Folgenden werden zwei Untersuchungen zu Wildbienen im Unterengadin vorgestellt. Die erste widmete sich der Wildbienenvielfalt in den Obstg\u00e4rten von Scuol bis Ramosch. Die zweite untersuchte die Verbreitung der sehr seltenen St\u00e4ngel-Blattschneiderbiene.<\/p>\n<h5><strong>Wildbienen in den Obstg\u00e4rten des Unterengadins<\/strong><\/h5>\n<p>In acht Obstg\u00e4rten mit einer Fl\u00e4che von je 50 bis 150 Aren, wurden die Wildbienenarten erfasst. Insgesamt konnten 101 verschiedene Arten bestimmt werden. Von diesen nisten 38 Arten im Boden. 33 Arten nutzen Hohlr\u00e4ume \u00fcber dem Boden, wie hohle Pflanzenst\u00e4ngel. 13 Arten legen ihre Nester nahe an der Bodenoberfl\u00e4che an und die verbleibenden 17 Arten geh\u00f6ren zu den Kuckucksbienen. Drei der gefundenen Arten legen ihre Brutzellen in leeren Schneckenh\u00e4uschen an. Sie geh\u00f6ren zur Familie der Mauerbienen.<\/p>\n<p>Pro untersuchten Obstgarten wurden zwischen 24 und 46 Wildbienenarten nachgewiesen. Darunter 10 Arten, die gem\u00e4ss der Roten Liste als gef\u00e4hrdet oder ausgestorben gelten. Sehr erfreulich war der hohe Anteil an oberirdisch nistenden Wildbienenarten, da diese nur in Gebieten mit guten Lebensraumstrukturen vorkommen. Dies zeigt, dass das Angebot an Kleinstrukturen in den untersuchten Obstg\u00e4rten noch sehr gut ist und die N\u00e4he vom Neststandort zu den Nahrungsressourcen und dem ben\u00f6tigten Material f\u00fcr den Nestbau optimal sind. Der Anteil an Totholz trug ebenfalls zur hohen Artenzahl bei. In diesem fanden die Wildbienen entweder in K\u00e4ferbohrl\u00f6chern oder in selbstgenagten G\u00e4ngen im morschen Holz Nistm\u00f6glichkeiten. Zus\u00e4tzlich ist das reiche Bl\u00fctenangebot der heimischen Wildpflanzen und einer Vielzahl der Gem\u00fcsepflanzen vom Fr\u00fchjahr bis in den Sp\u00e4tsommer sehr wichtig. Selbst sehr kleine Fl\u00e4chen mit Wildpflanzen tragen schon zu einer F\u00f6rderung der Wildbienen bei. Das angetroffene Nebeneinander von Kleinstrukturen, wie Mauern oder offenen Bodenstellen ist entscheidend. Die nicht versiegelten Fl\u00e4chen um die Brunnen oder unbefestigte Wege sind neben den Wildbienen auch f\u00fcr viele weitere Tiere, z.B. Schwalben, sehr wichtige Lieferanten von Baumaterial f\u00fcr ihre Nester.<br \/>\nMit Hilfe des Projekts konnten f\u00fcr weniger vielf\u00e4ltige Obstg\u00e4rten einfache F\u00f6rdermassnahmen, wie z.B. das Stehenlassen von Altgras und Totholz, definiert werden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/nationalpark.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Megachile-genalis-Anflug-mit-Blatt-copyright-Gian-Reto-Marugg.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-26233 size-medium\" src=\"https:\/\/nationalpark.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Megachile-genalis-Anflug-mit-Blatt-copyright-Gian-Reto-Marugg-300x300.jpg\" alt=\"St\u00e4ngel-Blattschneiderbiene mit Baumaterial im Anflug\" width=\"300\" height=\"300\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>St\u00e4ngel-Blattschneiderbiene mit Blatt als Baumaterial im Anflug zum Nest (Foto: Gian Reto Marugg)<\/em><\/p>\n<h5><strong>F\u00f6rderung der St\u00e4ngel-Blattschneiderbiene (<em>Megachile genalis<\/em>)<\/strong><\/h5>\n<p>Im Unterengadin fliegt und lebt diese kleine Wildbiene noch an verschiedenen Orten zwischen Scuol und Martina und \u00fcber die Landesgrenze hinaus. Die St\u00e4ngel-Blattschneiderbiene ist eine der seltensten Wildbienenarten der Schweiz. Sie kommt nur im Kanton Graub\u00fcnden und an wenigen Orten in der Nordschweiz vor. Das Albulatal beherbergt die gr\u00f6ssten Best\u00e4nde. Im Gebiet der Ruinalta und im Domleschg finden sich ebenfalls Standorte. Mitarbeitende des Parc Ela entwickelten f\u00fcr diese Wildbiene einen Aktionsplan, dessen Umsetzung im Unterengadin durch Mitarbeitende der Stiftung Pro Terra Engiadina erfolgt.<\/p>\n<p>Die St\u00e4ngel-Blattschneiderbiene ist mit 10-14 mm L\u00e4nge eine eher kleine Wildbiene. Sie legt die Nester vor allem in den frischen St\u00e4ngeln des Riesen-Haarstrangs (<em>Peucedanum verticillare<\/em>) sowie auch der Engelwurz (<em>Angelica sylvestris<\/em>) an. Beide Pflanzen sind bis zu 2 Meter hoch und \u00e4hneln dem als invasiven Neophyten bekannten Riesen-B\u00e4renklau (<em>Heracleum mantegazzianium<\/em>), weshalb manchmal die Nester der Wildbiene zerst\u00f6rt werden. Daher sollte man grosse, dem Riesen-B\u00e4renklau \u00e4hnliche Pflanzen erst genauer ansehen, bevor man sie entfernt. Seit letztem Jahr wurden Standorte, die bereits bekannt waren und weitere potentielle Standorte aufgesucht. Vielleicht ist jemandem in der N\u00e4he der Strasse schon einmal ein mit einem gr\u00fcnen B\u00e4ndchen markierter Riesen-Haarstrang oder eine Engelwurz aufgefallen. Dann war es eine Pflanze, in deren frischen, hohlen St\u00e4ngel die St\u00e4ngel-Blattschneiderbiene ein Nest mit 6 \u2013 7 Brutzellen angelegt hat. Ende Fr\u00fchsommer schl\u00fcpfen daraus die jungen Wildbienen. Bereits 2025 konnten einige neue Standorte entdeckt werden. Die Problematik besteht darin, dass diese sich sehr h\u00e4ufig entlang der Strassen und Wege befinden und daher manchmal Pflegeaktionen zum Opfer fallen. Die Zust\u00e4ndigen bei den Gemeinden und beim Tiefbauamt im Unterengadin sind jedoch sehr kooperativ. Ab diesem Jahr werden entlang der Strassen Abschnitte mit wertvollen Neststandorten der kleinen Wildbiene gesch\u00fctzt.<\/p>\n<p>Info: Von Juni bis September zeigt die UNESCO Biosfera Engiadina Val M\u00fcstair im Bogn Engiadina Scuol die Wildbienen-Ausstellung \u00abUnsere Mega\u00bb. Diese konnten wir vom Parc Ela \u00fcbernehmen. Am Sonntag, 7. Juni 2026 findet die Er\u00f6ffnung mit einem Vortrag von Andreas M\u00fcller statt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/nationalpark.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Engelwurz-mit-Markierung-copyright-Angelika-Abderhalden.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-26235\" src=\"https:\/\/nationalpark.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Engelwurz-mit-Markierung-copyright-Angelika-Abderhalden-225x300.jpg\" alt=\"Mit Band markierter Engelwurz\" width=\"225\" height=\"300\" \/><\/a>\u00a0 <a href=\"https:\/\/nationalpark.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Rosettenblaetter-Riesen-Haarstrang_copyright-Angelika-Abderhalden.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-26236\" src=\"https:\/\/nationalpark.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Rosettenblaetter-Riesen-Haarstrang_copyright-Angelika-Abderhalden-225x300.jpg\" alt=\"Riesen-Haarstrang\" width=\"225\" height=\"300\" \/><\/a>\u00a0 <a href=\"https:\/\/nationalpark.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Angelica-sylvestris-und-Peucedanum-verticillare-copyright-Nicolina-Marugg.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-26237\" src=\"https:\/\/nationalpark.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Angelica-sylvestris-und-Peucedanum-verticillare-copyright-Nicolina-Marugg-200x300.jpg\" alt=\"Engelwurz und Riesen-Haarstrang\" width=\"200\" height=\"300\" \/><\/a> \u00a0<a href=\"https:\/\/nationalpark.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Nest-auf-Engelwurz-mit-Markierung-copyright-Angelika-Abderhalden.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-26238\" src=\"https:\/\/nationalpark.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Nest-auf-Engelwurz-mit-Markierung-copyright-Angelika-Abderhalden-225x300.jpg\" alt=\"Loch in Pflanzenst\u00e4ngel von der St\u00e4ngel-Blattschneiderbiene genagt\" width=\"225\" height=\"300\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Bilder von links nach rechts:<\/em><br \/>\n<em>Markierte Engelwurz (Angelica sylvestris), (Foto: Angelika Abderhalden)<\/em><br \/>\n<em>Rosettenbl\u00e4tter des Riesen-Haarstrangs (Peucedanum verticillare), (Foto: Angelika Abderhalden)<\/em><br \/>\n<em>Engelwurz und Riesen-Haarstrang, beides potentielle Neststandorte der St\u00e4ngel-Blattschneiderbiene. (Foto: Nicolina Marugg)<\/em><br \/>\n<em>Von der St\u00e4ngel-Blattschneiderbiene genagtes Loch im St\u00e4ngel einer markierten Engelwurz. (Foto: Angelika Abderhalden)<\/em><\/p>\n","protected":false},"author":21,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"template":"","forschung_category":[],"class_list":["post-24247","forschung_cpt","type-forschung_cpt","status-publish","hentry"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Wildbienen und Pflanzen \u2013 ein Zusammenleben auf engstem Raum - Parc National Suisse<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/nationalpark.ch\/fr\/forschung\/wildbienen-und-pflanzen-ein-zusammenleben-auf-engstem-raum-3\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"fr_FR\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Wildbienen und Pflanzen \u2013 ein Zusammenleben auf engstem Raum - Parc National Suisse\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Beitrag von Angelika Abderhalden UBEVM, erschienen im Magazin Allegra Nr. 6, Wi 2026 (Foto oben: Zottige Felsenbiene, Nicolina Marugg) Die teilweise verborgen lebenden Wildbienen bereichern unseren Lebensraum und tragen zur Best\u00e4ubung ...\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/nationalpark.ch\/fr\/forschung\/wildbienen-und-pflanzen-ein-zusammenleben-auf-engstem-raum-3\/\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"Parc National Suisse\" \/>\n<meta property=\"article:modified_time\" content=\"2026-06-09T17:06:36+00:00\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Dur\u00e9e de lecture estim\u00e9e\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"5 minutes\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\\\/\\\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"WebPage\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/nationalpark.ch\\\/fr\\\/forschung\\\/wildbienen-und-pflanzen-ein-zusammenleben-auf-engstem-raum-3\\\/\",\"url\":\"https:\\\/\\\/nationalpark.ch\\\/fr\\\/forschung\\\/wildbienen-und-pflanzen-ein-zusammenleben-auf-engstem-raum-3\\\/\",\"name\":\"Wildbienen und Pflanzen \u2013 ein Zusammenleben auf engstem Raum - 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