{"id":23072,"date":"2024-07-02T15:23:35","date_gmt":"2024-07-02T13:23:35","guid":{"rendered":"https:\/\/nationalpark.ch\/?post_type=forschung_cpt&#038;p=22014"},"modified":"2024-07-02T15:23:35","modified_gmt":"2024-07-02T13:23:35","slug":"wildbienen-val-muestair-4","status":"publish","type":"forschung_cpt","link":"https:\/\/nationalpark.ch\/fr\/forschung\/wildbienen-val-muestair-4\/","title":{"rendered":"Die Wildbienen der Val M\u00fcstair"},"content":{"rendered":"<p><em>Ein Beitrag von Jakob Kalus und Carl-von-Ossietzky<br \/>\nUniversit\u00e4t Oldenburg<strong><br \/>\n<\/strong><\/em><em>2. Juli 2024<\/em><\/p>\n<p><strong>Wildbienen gelten als wichtigste Best\u00e4uber in Mitteleuropa. Auch f\u00fcr die Biodiversit\u00e4t sind sie von grosser Bedeutung. So zeigt eine neue <a href=\"https:\/\/biodiversitaet.scnat.ch\/publications\/search_details?id=2214\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Studie<\/a> von M\u00fcller und Praz, dass 45% der heimischen Wildbienen in der Schweiz gef\u00e4hrdet oder bereits ausgestorben sind. Ein Schwerpunkt des Vorkommens gef\u00e4hrdeter Wildbienenarten liegt in den inneralpinen Trockenrasen, wie sie unter anderem im Naturpark Biosfera Val M\u00fcstair vorkommen. Um diese Best\u00e4nde wirksam sch\u00fctzen zu k\u00f6nnen, ist eine Aufnahme des Wildbienenbestands unerl\u00e4sslich.<\/strong><\/p>\n<p><em>Titelbild: Die Gew\u00f6hnliche Goldfurchenbiene, Halictus tumulorum (\u00a9 Jakob Kalus)<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><strong>Hohe Vielfalt an Wildbienen<br \/>\n<\/strong>Wildbienen sind, anders als ihr Name vielleicht vermuten l\u00e4sst, keine wilden Honigbienen, sondern eine diverse Gruppe mit schweizweit fast 600 Arten. Sie leben gr\u00f6sstenteils auf sich allein gestellt und bilden keine grossen V\u00f6lker. Wildbienen bauen Nester, ebenso wie ihre Verwandten, die Honigbienen. Diese Nester finden sich je nach Art in unterschiedlichen Lebensr\u00e4umen, wie selbst gegrabenen L\u00f6chern im Sand, leeren St\u00e4ngeln, K\u00e4ferfrassg\u00e4ngen in Totholz oder Felsspalten. F\u00fcr den Nestbau ben\u00f6tigen Wildbienen je nach Art unterschiedliches Material wie Harz, bestimmte Bl\u00e4tter oder Distelbl\u00fcten. Auch brauchen sie passende Futterpflanzen, um sich selbst und ihren Nachwuchs ern\u00e4hren zu k\u00f6nnen. Damit eine bestimmte Wildbienenart an einem Ort vorkommen kann, muss all dies in einem relativ geringen Radius vorhanden sein.<\/p>\n<p>In meiner Masterarbeit untersuchte ich die im Sommer vorkommenden Wildbienen auf den Trockenrasen der s\u00fcdexponierten H\u00e4nge zwischen Sta. Maria und M\u00fcstair. Dieses Gebiet, bestehend aus Wiesen, Weiden und lichtem Wald, ist ausserordentlich artenreich und gilt als sogenannter Artenhotspot in der Val M\u00fcstair. Neben Wildbienen nahm ich bl\u00fchende Pflanzen und die Struktur des Bodens auf, um die Lebensraumanspr\u00fcche der Wildbienen vereinfacht darstellen zu k\u00f6nnen. In dem von mir untersuchten Gebiet habe ich insgesamt 92 Arten von Wildbienen gefunden, von denen rund 22 % gem\u00e4ss der roten Liste als gef\u00e4hrdet eingestuft sind. Die tats\u00e4chliche Anzahl an Arten w\u00e4re im Gebiet jedoch vermutlich deutlich h\u00f6her, da die Erfassung nur \u00fcber einen begrenzten Zeitraum stattfand und die Fr\u00fchlings- und Fr\u00fchsommerarten nicht ber\u00fccksichtigt worden sind. Zus\u00e4tzlich sind Wildbienen recht unstetig, man findet also in aufeinanderfolgenden Jahren mitunter auch unterschiedliche Arten.<br \/>\nDie Arbeit liess keine verallgemeinernden Aussagen zu den Lebensraumanspr\u00fcchen der Wildbienen zu. Die Unterschiede zwischen den Arteninventaren der einzelnen Untersuchungsfl\u00e4chen waren sehr gross, obwohl sich die Fl\u00e4chen in Bezug auf Lebensraumstruktur und Bl\u00fchaspekt nur wenig unterschieden. Dies zeigt, dass die Wildbienen spezielle Anspr\u00fcche haben, die schwer in Zahlen zu fassen sind.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/nationalpark.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/JakobKalus_Trockenweide_Val_Muestair.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-22032\" src=\"https:\/\/nationalpark.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/JakobKalus_Trockenweide_Val_Muestair.jpg\" alt=\"Weide im M\u00fcnstertal\" width=\"2000\" height=\"726\" \/><\/a><\/p>\n<p><em><strong>Abb.1: <\/strong>Weide Plaun da Sach in der Val M\u00fcstair (\u00a9 Jakob Kalus)<\/em><\/p>\n<p><strong>Optimale Lebensr\u00e4ume in der Val M\u00fcstair<br \/>\n<\/strong>Die Trockenwiesen und -weiden bei Sta. Maria und M\u00fcstair beherbergen eine beeindruckende Vielfalt an Wildbienen, die genauer untersucht werden sollte.<br \/>\nDie momentane Bewirtschaftung des Gebiets, bestehend aus extensiver Beweidung, Entkusselung (Geh\u00f6lzentfernung zum \u00aboffenhalten\u00bb der Fl\u00e4chen) und dem Entfernen von Adlerfarn ist optimal, um diese Fl\u00e4chen im Hinblick auf eine hohe Biodiversit\u00e4t von Wildbienen zu erhalten und zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p><strong>Empfohlene Massnahmen zum Naturschutz<br \/>\n<\/strong>Um einen gr\u00f6sseren Anteil des Artenspektrums und die Lebensraumstruktur in der Val M\u00fcstair genauer zu erfassen, w\u00e4re es sinnvoll, eine weitere Beprobung der Wildbienen \u00fcber zwei vollst\u00e4ndige Vegetationsperioden hinweg durchzuf\u00fchren und eine funktionale Lebensraumkarte zu erstellen. Zudem sollte der Einfluss von Honigbienen auf den Fl\u00e4chen \u00fcberwacht werden, da diese nachweislich in Konkurrenz zu Wildbienen stehen und in grosser Zahl in der Val M\u00fcstair beobachtet worden sind. Die in der Val M\u00fcstair vorhandene Artenvielfalt ist wertvoll und kann erhalten werden, wenn alle Akteure aus Naturschutz, Landwirtschaft und Bev\u00f6lkerung weiterhin an einem Strang ziehen.<\/p>\n<h4>Literatur:<\/h4>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.parcs.ch\/bvm\/mmd_fullentry.php?docu_id=53941\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kalus, J. (2023)<\/a>: Die Wildbienen (Hymenoptera: Apiformes) des Val M\u00fcstair (Kt. Graub\u00fcnden) Arteninventar, Habitatanspr\u00fcche und naturschutzfachliche Bewertung, Masterarbeit, Universit\u00e4t Oldenburg.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.bafu.admin.ch\/bafu\/de\/home\/themen\/biodiversitaet\/publikationen-studien\/publikationen\/rote-liste-bienen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">M\u00fcller A., Praz C. (2024)<\/a>: Rote Liste der Bienen. Umwelt-Vollzug. Bundesamt f\u00fcr Umwelt BAFU und info fauna, 78 S.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"template":"","forschung_category":[],"class_list":["post-23072","forschung_cpt","type-forschung_cpt","status-publish","hentry"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Die Wildbienen der Val M\u00fcstair - Parc National Suisse<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/nationalpark.ch\/fr\/forschung\/wildbienen-val-muestair-4\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"fr_FR\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Die Wildbienen der Val M\u00fcstair - Parc National Suisse\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Ein Beitrag von Jakob Kalus und Carl-von-Ossietzky Universit\u00e4t Oldenburg 2. 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