{"id":22298,"date":"2024-03-13T10:00:49","date_gmt":"2024-03-13T09:00:49","guid":{"rendered":"https:\/\/nationalpark.ch\/?post_type=forschung_cpt&#038;p=20153"},"modified":"2026-06-09T15:22:35","modified_gmt":"2026-06-09T13:22:35","slug":"murgang-buffalora-3","status":"publish","type":"forschung_cpt","link":"https:\/\/nationalpark.ch\/fr\/forschung\/murgang-buffalora-3\/","title":{"rendered":"Murgang Buffalora"},"content":{"rendered":"<p><em>Ein Beitrag von Sonja Wipf, Christian Rossi, Raphael von B\u00fcren und Stefanie Gubler<br \/>\nSchweizerischer Nationalpark und <a href=\"https:\/\/fok-snp.scnat.ch\/de\/portrait\/office\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">SCNAT<\/a><\/em><br \/>\n<em>13. M\u00e4rz 2024<\/em><\/p>\n<p><strong>Im Zusammenhang mit dem Klimawandel geht man mit einer Zunahme von extremen Starkniederschl\u00e4gen und Naturereignissen wie Murg\u00e4ngen aus. Welchen Beitrag zum Lebensraummosaik leisten solche Ereignisse, und wie entwickeln sich die nat\u00fcrlichen Lebensgemeinschaften danach?<\/strong><\/p>\n<p><em>Titelbild: Raphael von B\u00fcren sucht nach geeigneten Forschungsfl\u00e4chen in der Murgangrinne bei Buffalora<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Am sp\u00e4teren Nachmittag des 25. Juli 2022, einem au\u00dfergew\u00f6hnlich warmen Tag mit H\u00f6chsttemperaturen von knapp 24 \u00b0C auf rund 2000 m \u00fc.M., l\u00f6ste ein lokaler, extremer Gewitterregen am Piz Nair oberhalb von Buffalora einen Murgang aus. Dieser traf innerhalb und ausserhalb der Nationalparkgrenze Wald, Infrastruktur und Strasse. Anhand des Alters der betroffenen B\u00e4ume sch\u00e4tzt man, dass sich in dem Gebiet in den letzten 130 Jahren keine solchen St\u00f6rungen ereignet hatten. Die Niedeschlagssummen unterst\u00fctzen diese Sch\u00e4tzung: Die meteorologische Station Buffalora registrierte am sp\u00e4teren Nachmittag des 25. Juli 2022 innerhalb von nur 60 Minuten 25,8 mm Niederschlag. Niederschlagsmengen dieses Ausmasses in solch kurzer Zeit treten an diesem inneralpinen, trockenen Standort im Mittel nur alle 50 bis 100 Jahre auf (<a class=\"\" href=\"http:\/\/climate-extremes.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">climate-extremes.ch<\/a>).<\/p>\n<p><strong>Extreme Niederschl\u00e4ge nehmen zu<br \/>\n<\/strong>Generell hat die Niederschlagsmenge von <span class=\"\">t\u00e4glichen<\/span> Starkniederschl\u00e4gen in der Schweiz in den letzten gut hundert Jahren um ungef\u00e4hr 12% zugenommen. Zudem treten extreme Starkniederschl\u00e4ge heute um 30% h\u00e4ufiger auf als noch vor hundert Jahren. Man geht davon aus, dass diese Entwicklung so weitergeht (NCCS 2018): ohne Klimaschutz-Massnahmen erwartet man bis Ende des 21. Jahrhunderts in der Schweiz im Sommer eine weitere Zunahme der st\u00e4rksten 1-Tagesniederschl\u00e4ge von 10%. Im Winter nehmen diese bis zu 20% zu. Die Zunahme der Intensit\u00e4t von Starkniederschl\u00e4gen ist physikalisch gut verstanden: w\u00e4rmere Luft kann mehr Wasser aufnehmen \u2013 pro Grad Celsius Erw\u00e4rmung bis zu 7 Prozent.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/nationalpark.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/\u00a9SNP_GIS_murgang_buffalora_fuer_gb2022_aufnahme2019_2022_300dpi.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-20269\" src=\"https:\/\/nationalpark.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/\u00a9SNP_GIS_murgang_buffalora_fuer_gb2022_aufnahme2019_2022_300dpi-300x165.jpg\" alt=\"Bildvergleich vor und nach dem Murgang Buffalora 2022\" width=\"1000\" height=\"551\" \/><\/a><\/p>\n<p><em><strong>Abb.1:<\/strong> Das Murgangereignis vom 25.07.2022 hat Spuren in der Landschaft hinterlassen. Ein Luftbild der swisstopo von 2019 wird mit einer Drohnenaufnahme vom 05.08.2022 verglichen: \u00dcber eine grosse Fl\u00e4che ist der Murgang sichtbar.<\/em><\/p>\n<p><strong>Von tabula rasa\u2026<\/strong><br \/>\nDie vom Murgang transportierten Sedimente ergossen sich \u00fcber die Waldvegetation und hinterliessen eine scheinbar unbelebte Schlamm- und Ger\u00f6llmasse (vgl. Titelbild). In einem neuen Projekt erforschen wir seither, wie sich die Umweltbedingungen an den betroffenen Orten ver\u00e4ndert haben und wie schnell die Murgangrinnen und -kegel wieder mit Pflanzen und Tieren besiedelt werden. Dazu haben wir Fl\u00e4chen eingemessen, deren Entwicklung wir nun regelm\u00e4ssig untersuchen. Kontrollfl\u00e4chen direkt neben dem Murgang geben einen Eindruck, welche Vegetation hier nat\u00fcrlicherweise vorkommt und welche Arten daher mit erh\u00f6hter Wahrscheinlichkeit die Murgangfl\u00e4che wiederbesiedeln werden.<\/p>\n<p><strong>\u2026 zu neuem Leben<\/strong><br \/>\nBereits in den ersten Monaten kehrten <a href=\"https:\/\/nationalpark.ch\/flora-und-fauna\/waldameisen\/\">Waldameisen<\/a> zur\u00fcck (vgl. Abb.2). Abgestorbene B\u00e4ume liefern ihnen Baumaterial in Form von toten Nadeln. Erwartungsgem\u00e4ss waren die Gebiete mit viel Ablagerung auch ein Jahr nach dem Ereignis weitgehend vegetationsfrei. Ausnahme bildeten einige winzig kleine Keimlinge (vgl. Abb.3), vor allem von der Bergf\u00f6hre (<em>Pinus mugo uncinata<\/em>), einer typischen Pionierbaumart auf Rohboden. In Gebieten mit sehr wenig Ablagerung konnte sich die darunterliegende Vegetation teilweise durch die d\u00fcnne Schlamm- und Ger\u00f6llschicht durchk\u00e4mpfen und eine sp\u00e4rliche Pflanzendecke bilden. Im und um das Anrissgebiet des Murgangs w\u00e4chst die in der Schweiz sehr seltene Monte Baldo Segge (<em>Carex baldensis<\/em>). Ob und wie schnell dieses Sauergras die Murgangfl\u00e4che wiederbesiedeln wird, bleibt abzuwarten. Bildet sich wieder eine geschlossene Vegetationsdecke oder sogar Wald? Wenn ja, wie lange dauert dies? Oder werden auch in Zukunft h\u00e4ufige Starkregen und weitere Murg\u00e4nge diese Fl\u00e4chen offen halten? Solche Fragen sollen langfristige Beobachtungen beantworten k\u00f6nnen. Untersuchen werden wir zudem, wie die neu entstandenen offenen Fl\u00e4chen durch Ameisen und Huftiere genutzt werden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/nationalpark.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/\u00a9SNP_ameisen_2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-20158\" src=\"https:\/\/nationalpark.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/\u00a9SNP_ameisen_2-300x300.jpg\" alt=\"Ameisen kolonisieren einen morschen Holzstamm\" width=\"400\" height=\"400\" \/><\/a>\u00a0 <a href=\"https:\/\/nationalpark.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/\u00a9SNP_LO_20160831_54415.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-20159\" src=\"https:\/\/nationalpark.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/\u00a9SNP_Bergfoehrenkeimling-300x300.jpg\" alt=\"Bergf\u00f6hrenkeimling mitten im Murgangschutt\" width=\"400\" height=\"400\" \/>\u00a0 <\/a><a href=\"https:\/\/nationalpark.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/\u00a9SNP_LO_20160831_54415.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-20168\" src=\"https:\/\/nationalpark.ch\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/\u00a9SNP_LO_20160831_54415-300x300.jpg\" alt=\"Monte Baldo Segge\" width=\"400\" height=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<p><em><strong>Abb.2:<\/strong> Waldameisen kolonisieren Totholz in Murgangrinne<\/em><br \/>\n<strong><em>Abb.3:<\/em><\/strong><em> Bereits kurze Zeit nach dem Murgang keimen erste Bergf\u00f6hren. An der Spitze ist der Samen noch immer sichtbar.<br \/>\n<\/em><em><strong>Abb.4:<\/strong> Die in der Schweiz sehr seltene Monte Baldo Segge (Carex baldensis) w\u00e4chst im und um das Anrissgebiet des Murgangs.<\/em><\/p>\n<h4>Literatur:<\/h4>\n<ul>\n<li>NCCS (Hrsg.) 2018: CH2018 &#8211; Klimaszenarien f\u00fcr die Schweiz. National Centre for Climate Services, Z\u00fcrich. 24 S. ISBN-Nummer 978-3-9525031-0-2<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"template":"","forschung_category":[],"class_list":["post-22298","forschung_cpt","type-forschung_cpt","status-publish","hentry"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Murgang Buffalora - Parc National Suisse<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/nationalpark.ch\/fr\/forschung\/murgang-buffalora-3\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"fr_FR\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Murgang Buffalora - Parc National Suisse\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Ein Beitrag von Sonja Wipf, Christian Rossi, Raphael von B\u00fcren und Stefanie Gubler Schweizerischer Nationalpark und SCNAT 13. 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