{"id":22231,"date":"2025-09-19T16:34:13","date_gmt":"2025-09-19T14:34:13","guid":{"rendered":"https:\/\/nationalpark.ch\/?p=23285"},"modified":"2026-06-09T19:13:57","modified_gmt":"2026-06-09T17:13:57","slug":"hoch-oben-macun-2-3","status":"publish","type":"forschung_cpt","link":"https:\/\/nationalpark.ch\/fr\/forschung\/hoch-oben-macun-2-3\/","title":{"rendered":"Hoch oben und doch im Fokus der Wissenschaft \u2013 die Seenplatte Macun"},"content":{"rendered":"<p><em>Ein Beitrag von Stefanie Gubler, FOK SNP\/SCNAT,<br \/>\nerschienen im Magazin Allegra Nr. 5, So 2025<\/em><\/p>\n<p><strong>\u00dcber zwanzig glitzernde Bergseen, m\u00e4chtige Blockgletscher und kaum sichtbare Kleinstlebewesen: Die Macun-Seenplatte im Nationalpark ist ein Naturjuwel \u2013 und ein Hotspot der Forschung. Hier zeigt sich, wie der Klimawandel selbst entlegene Alpenlandschaften sicht- und teilweise auch unsichtbar ver\u00e4ndert.<\/strong><\/p>\n<p>Von der Talsohle des Unterengadins bis zur Seenplatte Macun im Schweizerischen Nationalpark (SNP) ist es ein weiter, steiler Weg \u2013 sowohl im w\u00f6rtlichen als auch im \u00fcbertragenen Sinn. Wer sich von Zernez aufmacht, durchquert stille Fichten- und L\u00e4rchenw\u00e4lder, Bergwiesen und Felsh\u00e4nge und erreicht nach knapp 1500 H\u00f6henmetern den Spi da Baselgia, eine Bergkuppe, die das Haupttal vom Kar von Macun trennt. Von dort \u00f6ffnet sich der Blick auf eine wundersch\u00f6ne, eindr\u00fcckliche, einzigartige und karge Landschaft, die von \u00fcber zwanzig funkelnden Bergseen und unz\u00e4hligen Blockgletschern gepr\u00e4gt ist. Die Seenplatte Macun ist jedoch nicht nur ein landschaftliches Juwel, sondern auch ein alpines Freiluftlabor, in welchem Geologie, Biologie, \u00d6kologie und Klimaforschung ineinandergreifen.<\/p>\n<h5><strong>Bedeutung der Seenplatte Macun und Eingliederung in den Nationalpark<\/strong><\/h5>\n<p>Das Gebiet auf \u00fcber 2600 m \u00fc. M. war schon immer von grosser Bedeutung f\u00fcr die Einheimischen von Lavin, wie der ehemalige Gemeindepr\u00e4sident und sp\u00e4tere Pr\u00e4sident der Eidgen\u00f6ssischen Nationalparkkommission (ENPK) Robert Giacometti berichtet. Seine Erinnerungen reichen weit zur\u00fcck bis in die Kindheit, in der er oft in drei Generationen zum Lai dal Dragun wanderte und die vielf\u00e4ltigen Geschichten seiner Grossmutter lauschte. Giacometti war als Gemeindepr\u00e4sident von Lavin nebst dem Direktor des SNP Heinrich Haller eine der treibenden Kr\u00e4fte hinter der diskutierten Erweiterung des SNP Ende des 20. Jahrhunderts. Gemeinsam mit weiteren Unterst\u00fctzern wie Duri Bezzola und dem gesamten Gemeindevorstand von Lavin setzte er sich entschieden f\u00fcr das Vorhaben ein. Dank dem grossen Engagement verliefen die Gemeindeversammlungen zur Nationalparkerweiterung in Lavin respektvoll und in einem friedlichen Rahmen. So entschied der Souver\u00e4n am 27. Mai 1999 trotz kritischer Fragen und einiger Kompromisse \u2013 etwa dem Rundwanderweg auf Macun \u2013 zugunsten der Kernzone Macun. Am 1. August 2000 wurde die Seenplatte Macun schliesslich offiziell in den SNP integriert.<\/p>\n<p>Vor dieser Eingliederung in den SNP wurde das Gebiet rege f\u00fcr Landwirtschaft, Jagd und Fischerei genutzt. So weideten j\u00e4hrlich zwanzig bis dreissig Rinder w\u00e4hrend vier bis sechs Wochen auf Macun. F\u00fcr die Fischerei wurden ab 1964 in den beiden grossen Seen \u2013 dem Lai Grond und dem Lai da la Mezza Gl\u00fcna \u2013 sowie ab 1972 auch in drei kleineren Seen bis ins Jahr 1993 Fische ausgesetzt. W\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs war Macun zudem als Beobachtungsposten f\u00fcr die Fliegerabwehr von strategischer Bedeutung f\u00fcr die ganze Schweiz. Die H\u00fctte, in der heute die Forschenden n\u00e4chtigen, wurde damals vom Milit\u00e4r errichtet. Und 1976 planten die Engadiner Kraftwerke sogar den Bau eines Pumpspeicherwerks und damit eine umfassende Nutzung der Gew\u00e4sser f\u00fcr menschliche Zwecke. Die Pl\u00e4ne wurden aus heutiger Sicht zum Gl\u00fcck wieder fallengelassen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/nationalpark.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Zwerghahnenfuss.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-24922 size-medium\" src=\"https:\/\/nationalpark.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Giacometti-Macun-300x300.jpg\" alt=\"Mario, Robert und Annina Giacometti (von links nach rechts) mit ihrer Grossmutter Annina Egler am Lai dal Dragun im Jahr 1956. (Foto: Familie Giacometti)\" width=\"300\" height=\"300\" \/>\u00a0 \u00a0<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-24925 size-medium\" src=\"https:\/\/nationalpark.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Zwerghahnenfuss-300x300.jpg\" alt=\"Zwerghahnenfuss (Ranunculus pygmaeus)(Foto: SNP\/Sonja Wipf)\" width=\"300\" height=\"300\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Abb. 1:<\/strong> <em>Mario, Robert und Annina Giacometti (von links nach rechts) mit ihrer Grossmutter Annina Egler am Lai dal Dragun im Jahr 1956. (Foto: Familie Giacometti)<\/em><\/p>\n<p><strong>Abb. 2:<\/strong> <em>Nahaufnahme Zwerghahnenfuss (Ranunculus pygmaeus). Macun beherbergt die gr\u00f6sste und f\u00fcr lange Zeit die einzig bekannte Schweizer Population des Zwerghahnenfusses. (Foto: SNP\/Sonja Wipf)<\/em><\/p>\n<h5><strong>Schutz und wissenschaftliche Erforschung <\/strong><\/h5>\n<p>Mit der Eingliederung in den SNP ist das Gebiet seit dem Jahr 2000 vor menschlichen Einfl\u00fcssen weitgehend gesch\u00fctzt. Auch Forschende d\u00fcrfen die Wanderwege auf Macun nur w\u00e4hrend einer Woche im Jahr verlassen, um Daten f\u00fcr ihre Untersuchungen zu erheben. Dank dieser Forschung kennen wir heute bestimmte Aspekte des Zustands und der Ver\u00e4nderungen dieses alpinen \u00d6kosystems im Detail. So wurde beispielsweise ab dem Jahr 2010 im s\u00fcdlichen Einzugsgebiet von Macun ein deutlicher Wandel in der Artenzusammensetzung der Gew\u00e4sserlebewesen festgestellt. Diese Entwicklung geht mit Ver\u00e4nderungen in der Wasserchemie einher, die auf eine abnehmende Schmelzwasserzufuhr aus den Blockgletschern hinweisen. Das l\u00e4sst wiederum auf den Einfluss steigender Lufttemperaturen auf die Permafrostk\u00f6rper schliessen. Zudem weisen die kontinuierlich vermessenen, gr\u00f6sseren Seen auf Macun im Sommer einen \u00e4hnlichen Erw\u00e4rmungstrend wie die Luft auf. Deren Temperatur ist seit dem Jahr 2000 um circa 0,4 \u00b0C pro Dekade angestiegen. Aktuell sind an die K\u00e4lte angepasste, wirbellose Lebewesen in den Seen noch vorhanden. Allerdings droht mit steigender Wassertemperatur ihr Verschwinden. M\u00f6glicherweise wandern Arten aus tieferen Lagen ein. Ob dies die Artenvielfalt der Macun-Seen bereichern oder die bestehenden \u00d6kosysteme destabilisieren wird, wissen wir heute noch nicht.<\/p>\n<h5><strong>Wissenschaftliche Einblicke aus erster Hand<\/strong><\/h5>\n<p>Das Anfang Herbst erscheinende Buch <em>\u00abAlpine \u00d6kosysteme im Schweizerischen Nationalpark \u2013 die Seenplatte Macun\u00bb<\/em> (Haupt-Verlag) fasst den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse \u00fcber Macun anschaulich und reich illustriert zusammen. Auch wenn noch viele Fragen offen sind, eines ist klar: Selbst der strenge Schutz im SNP kann die alpinen \u00d6kosysteme nicht vollst\u00e4ndig vor menschlichen Einfl\u00fcssen wie z.\u202fB. den Auswirkungen des Klimawandels bewahren. Langfristige, naturwissenschaftliche Forschung ist deshalb zentral, um den Zustand dieser sensiblen Lebensr\u00e4ume zu erfassen und zu dokumentieren. Nur so k\u00f6nnen wir die \u00f6kologischen Prozesse sowie die mit dem Klimawandel verbundene Ver\u00e4nderungen besser verstehen.<\/p>\n<h4>BOX<\/h4>\n<p>1. Oktober: Buchvernissage \u00abAlpine \u00d6kosysteme im Schweizerischen Nationalpark \u2013 die Seenplatte Macun\u00bb<br \/>\n19.30 Uhr Schulhaus Lavin<br \/>\nAnschliessend Ap\u00e9ro<br \/>\nEintritt frei<br \/>\n<a href=\"https:\/\/nationalpark.ch\/besuchen\/anlaesse\/drachen-grosse-maechte-winzlinge-macun-buchvernissage\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">nationalpark.ch\/naturama<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":21,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"template":"","forschung_category":[],"class_list":["post-22231","forschung_cpt","type-forschung_cpt","status-publish","hentry"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Hoch oben und doch im Fokus der Wissenschaft \u2013 die Seenplatte Macun - Parc National Suisse<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/nationalpark.ch\/fr\/die-hirsche-und-ihr-potenzial-4\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"fr_FR\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Hoch oben und doch im Fokus der Wissenschaft \u2013 die Seenplatte Macun - 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