{"id":22207,"date":"2025-05-26T12:05:56","date_gmt":"2025-05-26T10:05:56","guid":{"rendered":"https:\/\/nationalpark.ch\/?post_type=forschung_cpt&#038;p=24037"},"modified":"2026-06-09T15:17:39","modified_gmt":"2026-06-09T13:17:39","slug":"hoehenverbreitung-der-hirsche-im-jahresverlauf-4","status":"publish","type":"forschung_cpt","link":"https:\/\/nationalpark.ch\/fr\/forschung\/hoehenverbreitung-der-hirsche-im-jahresverlauf-4\/","title":{"rendered":"H\u00f6henverbreitung der Hirsche im Jahresverlauf"},"content":{"rendered":"<p><em>Ein Beitrag von Thomas Rempfler, Schweizerischer Nationalpark<\/em><br \/>\n<em>26. Mai 2025<\/em><\/p>\n<p><strong>Der Schweizerische Nationalpark (SNP) eignet sich ausgezeichnet als Sommerlebensraum f\u00fcr Hirsche. Das ist l\u00e4ngst bekannt. Ebenso, dass er als Winterlebensraum unbeliebt ist. Wir haben uns nun speziell der dritten r\u00e4umlichen Dimension gewidmet und untersucht, welche H\u00f6henlagen die Hirsche im Jahresverlauf bevorzugen. Dazu haben wir Daten von Hirschen im und um den Nationalpark ab 2009 bis heute analysiert. Sie stammen von 111 Tieren, die wir zusammen mit der B\u00fcndner Wildhut zwischen Martina und La Punt sowie in der Val M\u00fcstair besendert haben.<\/strong><\/p>\n<p>Ab den 1950er Jahren wurden im und um den SNP Hirsche gefangen und mit farbigen Ohrmarken und Halsb\u00e4ndern ausgestattet, um sie sp\u00e4ter auf Distanz identifizieren zu k\u00f6nnen. So fand man heraus, wo sich die Hirsche im Jahresverlauf aufhielten. Ab den 1990er Jahren konnte man dank des technischen Fortschritts auch Halsb\u00e4nder mit VHF-Sendern einsetzen. Akustische Signale ersetzten die bis dahin notwendige Sichtbeobachtung, um den Standort eines Individuums zu bestimmen. Heute geht das noch viel effizienter: Wir statten die Hirsche mit GPS-Halsb\u00e4ndern aus, die ihre Position st\u00fcndlich aufzeichnen und die Daten per Satellit direkt ins B\u00fcro senden. Ein bedeutender Vorteil davon ist, dass wir die Raumnutzung der Hirsche rund um die Uhr sowie im Jahresverlauf verfolgen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/nationalpark.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Hirschkuh_besendert_mit_Kalb_gross-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-24054 size-full\" src=\"https:\/\/nationalpark.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Hirschkuh_besendert_mit_Kalb_gross-1.jpg\" alt=\"Besenderte Hirschkuh mit Kalb.\" width=\"500\" height=\"375\" \/><\/a><\/p>\n<p>Besenderte Hirschkuh mit ihrem Kalb im Hintergrund.<\/p>\n<p><strong>Nationalpark als bevorzugter Sommereinstand best\u00e4tigt<\/strong><\/p>\n<p>Bei den Hirschen der SNP-Region ist der Wechsel zwischen Sommer- und Wintereinst\u00e4nden das h\u00e4ufigste Verhaltensmuster: Hirsche von Wintereinst\u00e4nden ausserhalb des SNP wandern im Fr\u00fchling gerne in den SNP ein, um dort den Sommer zu verbringen. Von den 111 markierten Individuen nutzten denn auch 78 den Nationalpark ausschliesslich als Sommereinstand. Nur neun verblieben ganzj\u00e4hrig im SNP.<\/p>\n<p><strong>Saisonal bevorzugte H\u00f6henlagen<\/strong><\/p>\n<p>Bez\u00fcglich der H\u00f6henlage w\u00fcrde man erwarten, dass die Hirsche im Winter die tiefsten, im Sommer die h\u00f6chsten Lagen bevorzugen. F\u00fcr die Weibchen traf das \u00fcberwiegend zu. In den tiefsten Lagen auf rund 1650 m \u00fc. M. hielten sie sich jedoch erst Mitte M\u00e4rz auf. Die M\u00e4nnchen hingegen stiegen ab November kontinuierlich h\u00f6her und ihre mittlere Aufenthaltsh\u00f6he nahm erst ab Januar wieder ab. Die tiefsten H\u00f6henlagen unter 1600 m \u00fc. M. erreichten auch sie Mitte M\u00e4rz. Das macht Sinn, denn zu dieser Zeit apern die Talsohlen der SNP-Region aus. Ab dann folgten beide Geschlechter dem Ergr\u00fcnen der Vegetation in h\u00f6here Lagen. Dieses Ph\u00e4nomen ist in der Literatur als \u00absurfing the green wave\u00bb beschrieben. Die Weibchen hielten sich in dieser Phase jedoch immer weiter oben auf als die M\u00e4nnchen. Dabei zogen sie bereits vor dem Setzen der Jungen im Mai\/Juni in h\u00f6her gelegene Gebiete, um trotz den anf\u00e4nglich noch nicht sehr mobilen Jungen optimale Nahrung nutzen zu k\u00f6nnen. Im Sommer stiegen die M\u00e4nnchen dann bis auf ca. 2150 m \u00fc. M. auf, w\u00e4hrend sich die Weibchen ca. 100 H\u00f6henmeter tiefer aufhielten. Zur Brunft ab Mitte September trafen sie sich dann auf ca. 1950 m \u00fc. M.. Nach Mitte Oktober und H\u00f6henlagen um 1800 m \u00fc. M. stiegen die Weibchen bis Ende Jahr nur leicht ab, w\u00e4hrend die M\u00e4nnchen nochmals die tiefen Lagen vom Fr\u00fchling aufsuchten. Da die Talwiesen im Herbst immer noch frisches Gr\u00fcn bieten, versuchten sie dort den Gewichtsverlust aus der Brunft zu kompensieren. Im Winter hielten sich beide Geschlechter wieder weiter oben auf. Zum einen brauchen die Hirsche im Winter aufgrund des stark reduzierten Stoffwechsels nicht viel Nahrung, daf\u00fcr umso mehr Ruhe. Zum anderen k\u00f6nnen sie in h\u00f6heren Lagen auch Energie sparen, weil es dort aufgrund der Temperaturinversion w\u00e4rmer ist als in den Tallagen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-24038 size-full\" src=\"https:\/\/nationalpark.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/elevation_sex_dt-scaled.jpg\" alt=\"Die durchschnittliche H\u00f6henlage von 111 Hirschen in den Jahren 2009 - 2025\" width=\"2048\" height=\"1152\" \/><\/p>\n<p>Die Abbildung zeigt die mittlere H\u00f6henlage von weiblichen und m\u00e4nnlichen Hirschen im Jahresverlauf (Durchschnitt der Jahre 2009-2025, Stichprobengr\u00f6sse 111 Tiere). Der helle Farbbereich um die Linien stellt das Konfidenzintervall dar: Mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 % liegt die mittlere Aufenthaltsh\u00f6he der Individuen in diesem Bereich.<\/p>\n<p><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n<p>Haller, H. (2002). <em>Der Rothirsch im Schweizerischen Nationalpark und dessen Umgebung. Eine alpine Population von Cervus elaphus zeitlich und r\u00e4umlich dokumentiert<\/em>. Nat.park-Forsch. Schweiz 91.<\/p>\n<p>Rempfler, T., Rossi, C., Schweizer, J., Peters, W., Signer, C., Filli, F., Jenny, H., Hackl\u00e4nder, K., Buchmann, S., &amp; Anderwald, P. (2024). Remote sensing reveals the role of forage quality and quantity for summer habitat use in red deer. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1186\/s40462-024-00521-6\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Movement Ecology<\/em><\/a>, <em>12<\/em>(1).<\/p>\n<p>Sigrist, B., Signer, C., Wellig, S. D., Ozgul, A., Filli, F., Jenny, H., Thiel, D., Wirthner, S., &amp; Graf, R. F. (2022). Green-up selection by red deer in heterogeneous, human-dominated landscapes of Central Europe. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1002\/ece3.9048\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Ecology and Evolution<\/em><\/a>, <em>12<\/em>(7), 1\u201313.<\/p>\n","protected":false},"author":28,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"template":"","forschung_category":[],"class_list":["post-22207","forschung_cpt","type-forschung_cpt","status-publish","hentry"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>H\u00f6henverbreitung der Hirsche im Jahresverlauf - Parc National Suisse<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/nationalpark.ch\/fr\/forschung\/hoehenverbreitung-der-hirsche-im-jahresverlauf-4\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"fr_FR\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"H\u00f6henverbreitung der Hirsche im Jahresverlauf - Parc National Suisse\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Ein Beitrag von Thomas Rempfler, Schweizerischer Nationalpark 26. 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