{"id":23699,"date":"2026-07-22T14:09:12","date_gmt":"2026-07-22T12:09:12","guid":{"rendered":"https:\/\/nationalpark.ch\/forschung\/klimawandel-unterengadin-val-mstair\/"},"modified":"2026-07-22T14:09:12","modified_gmt":"2026-07-22T12:09:12","slug":"klimawandel-unterengadin-val-muestair-2-4","status":"publish","type":"forschung_cpt","link":"https:\/\/nationalpark.ch\/en\/forschung\/klimawandel-unterengadin-val-muestair-2-4\/","title":{"rendered":"Klimawandel im Unterengadin und in der Val M\u00fcstair"},"content":{"rendered":"<p><em>Ein Beitrag von Nina Genn\u00e9 (Universit\u00e4t Bern &amp; MeteoSchweiz)<br \/>\n22. Juli 2026<\/em><\/p>\n<p><strong>Von steigenden Temperaturen bis zu weniger Schneefalltagen: Eine Masterarbeit auf Grundlage der neuen Klimaszenarien Klima CH2025 erlaubt einen regionalen Blick auf die Entwicklung des Klimas im Unterengadin und in der Val M\u00fcstair. Die Ergebnisse zeigen, wie stark alpine \u00d6kosysteme unter Druck geraten \u2013 aber auch, wo sich neue Chancen er\u00f6ffnen k\u00f6nnten.<\/strong><\/p>\n<p><em>Titelbild: Ausblick vom Wanderweg Champl\u00f6nch im Nationalpark aus (\u00a9Nina Genn\u00e9).\u00a0 <\/em><\/p>\n<p>Mit dem Schweizerischen Nationalpark und zwei weiteren Schutzgebieten sind das Unterengadin und die Val M\u00fcstair ein Hotspot f\u00fcr Biodiversit\u00e4t in den Alpen. Zugleich ist die Region stark vom Klimawandel betroffen: Die Tagesmitteltemperatur hat sich in der Referenzperiode 1991\u20132020 im Vergleich zum Zeitraum 1961\u20131990 um 1,24 \u00b0C erh\u00f6ht. Die bereits beobachteten Folgen sind zahlreich: Sinkende Wasserst\u00e4nde in Fl\u00fcssen, ein fr\u00fcherer Beginn der Vegetationsperiode, ver\u00e4nderte Nahrungsgrundlagen f\u00fcr Tiere oder die Verbreitung von w\u00e4rmeliebenden Parasiten. Durch auftauenden Permafrost nehmen auch Hanginstabilit\u00e4ten, Steinschl\u00e4ge und Murg\u00e4nge zu.<br \/>\nUm die k\u00fcnftigen Folgen des Klimawandels besser zu verstehen und geeignete Anpassungsmassnahmen zu entwickeln, ist es wichtig, Klimaprojektionen regional und detailliert anzuschauen. Das hat Nina Genn\u00e9 in ihrer Masterarbeit, welche sie k\u00fcrzlich abgeschlossen hat, getan. Die Arbeit basiert auf den neuen Klimaszenarien <a href=\"https:\/\/www.nccs.admin.ch\/nccs\/de\/home\/klimawandel-und-auswirkungen\/schweizer-klimaszenarien-ch2025.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Klima CH2025<\/a>. Diese Szenarien, erarbeitet von MeteoSchweiz und der ETH Z\u00fcrich, beschreiben m\u00f6gliche Entwicklungen des Schweizer Klimas unter fortschreitender globaler Erw\u00e4rmung.<\/p>\n<p><strong>Welche Klimafragen die Region besch\u00e4ftigen<\/strong><\/p>\n<p>Ein wichtiger Bestandteil zu Beginn der Arbeit war der Austausch mit lokalen Stakeholdern. Im Rahmen eines Workshops teilten zw\u00f6lf Vertreterinnen und Vertreter aus Tourismus, Landwirtschaft, Forschung, Wassernutzung, Wald\u00f6kosystemen und Naturgefahren ihre Perspektiven miteinander. Der Austausch erm\u00f6glichte, jene zehn Klimavariablen zu identifizieren, die f\u00fcr die Region besonders relevant sind. Besonders in den Fokus r\u00fcckten Kenngr\u00f6ssen im Zusammenhang mit winterlichen Niederschl\u00e4gen. Dazu geh\u00f6ren etwa die Entwicklung der Anzahl Schneefalltage, die Unterscheidung zwischen Schnee und Regen im Winterhalbjahr oder eine differenzierte Betrachtung der Klimaprojektionen in Abh\u00e4ngigkeit von der H\u00f6henlage. Diese Kenngr\u00f6ssen sind zum Beispiel nicht nur f\u00fcr die Planung des Wintertourismus wichtig, sondern auch f\u00fcr den Umgang mit \u00dcberschwemmungen und der Nutzung von Wasserkraft.<\/p>\n<p><strong>Mehr Regen, weniger Schnee<\/strong><\/p>\n<p>Nina Genn\u00e9 hat sich die m\u00f6gliche Zukunft des Klimas im Untersuchungsgebiet f\u00fcr verschiedene globale Erw\u00e4rmungsniveaus angeschaut. Sie zeigen den Klimazustand, der sich bei einer globalen Erw\u00e4rmung von 1.5 \u00b0C, 2 \u00b0C respektive 3 \u00b0C gegen\u00fcber dem vorindustriellen Niveau einstellt (siehe Abbildung 1). Alle Erw\u00e4rmungsniveaus sagen deutliche Ver\u00e4nderungen voraus. Aus den Analysen folgt, dass sich die Jahresmitteltemperatur im Untersuchungsgebiet um 0,1 \u00b0C bis 0,2 \u00b0C st\u00e4rker erw\u00e4rmen k\u00f6nnte als der Schweizer Durchschnitt. Hochgebirgszonen, insbesondere in H\u00f6henlagen \u00fcber 2000 Metern, werden voraussichtlich st\u00e4rkere Erw\u00e4rmungen erfahren als T\u00e4ler \u2013 sowohl \u00fcbers ganze Jahr wie auch pro Jahreszeit betrachtet. Insgesamt wird f\u00fcr die saisonalen Niederschl\u00e4ge erwartet, dass der Sommer im Durchschnitt etwas trockener wird, w\u00e4hrend Winter, Fr\u00fchling und Herbst tendenziell feuchter werden. Obwohl die winterlichen Niederschl\u00e4ge um bis zu 19 % zunehmen k\u00f6nnten, wird die Anzahl der Schneefalltage in allen H\u00f6henstufen abnehmen. Seit der Periode 1961\u20131990 gibt es je nach H\u00f6henlage bereits 5 bis 12 Schneefalltage weniger, und diese k\u00f6nnten gem\u00e4ss der Klimaszenarien um weitere 15 Tage zur\u00fcckgehen. Die Niederschl\u00e4ge werden im Winter also vermehrt als Regen fallen anstatt als Schnee. Dies steht im Zusammenhang mit der steigenden Nullgradgrenze. Diese ist im Winter seit 1961\u20131990 bereits um rund 170 Meter angestiegen und k\u00f6nnte k\u00fcnftig um weitere 550 Meter zunehmen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/nationalpark.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Abbildung-1.pdf\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-27260 size-large\" src=\"https:\/\/nationalpark.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Temperaturveraenderungen_Projiziert_Meteoschweiz-1024x621.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"621\" \/><\/a><\/p>\n<p><em><strong>Abb. 1:<\/strong> Darstellung der projizierten Ver\u00e4nderungen der j\u00e4hrlichen Mitteltemperatur im Untersuchungsgebiet (links) und in der Schweiz (rechts) bei einer globalen Erw\u00e4rmung von 1,5 \u00b0C (GWL1.5 \u2013 gelbe Balken), 2 \u00b0C (GWL2.0 \u2013 orange Balken) und 3 \u00b0C (GWL3.0 \u2013 rote Balken) gegen\u00fcber dem vorindustriellen Niveau (1871\u20131900). Die Temperatur\u00e4nderungen (y-Achse) werden relativ zur Referenzperiode 1991\u20132020 projiziert. Die x-Achse zeigt die Zeitfenster 1975 und 2005, die jeweils den historischen (1961\u20131990) und heutigen (1991\u20132020) Perioden entsprechen (\u00a9 Klima CH2025 MeteoSchweiz, Abbildung adaptiert von Nina Genn\u00e9).<\/em><\/p>\n<p><strong>Wenn der Sommer in die H\u00f6he r\u00fcckt<\/strong><\/p>\n<p>Nebst der zunehmenden Risiken f\u00fcr die alpinen \u00d6kosysteme und Tiere in der Nationalparkregion deuten die Projektionen auch auf potenzielle Chancen hin. Die Bedingungen f\u00fcr sommerliche Aktivit\u00e4ten wie Wandern k\u00f6nnten sich teilweise verbessern, insbesondere in h\u00f6heren Lagen. Der Trockenwanderwetter-Index beschreibt ideale klimatische Bedingungen f\u00fcr Wanderungen: Temperaturen zwischen 15 \u00b0C und 20 \u00b0C sowie weniger als 1 mm Niederschlag pro Tag. Die Anzahl von nach dieser Definition geeigneten Wandertagen oberhalb von 2500 Metern k\u00f6nnte dabei von derzeit rund 12,5 Tagen auf 30 oder gar bis zu 55 Tagen ansteigen.<br \/>\nNichtsdestotrotz zeigen die Projektionen deutlich, wie stark alpine Regionen vom Klimawandel betroffen sind. Der Tourismus in Bergregionen braucht daher Anpassungsmassnahmen und der Schutz der einzigartigen \u00d6kosysteme in der Nationalparkregion erfordert gezielte Strategien.<\/p>\n<h4>Weiterf\u00fchrende Informationen<\/h4>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.parcs.ch\/snp\/pdf_public\/2026\/56713_20260707_140933_0507_Faktenblatt_NINAGENNE.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Faktenblatt mit \u00fcbersichtlicher Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/nationalpark.ch\/besuchen\/anlaesse\/zukunft-alpenfrische\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Veranstaltungshinweis<\/a>: Am 7. Oktober 2026 gibt es einen NATURAMA-Vortrag zum Thema<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"template":"","forschung_category":[],"class_list":["post-23699","forschung_cpt","type-forschung_cpt","status-publish","hentry"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v28.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Klimawandel im Unterengadin und in der Val M\u00fcstair - Swiss National Park<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/nationalpark.ch\/en\/forschung\/klimawandel-unterengadin-val-muestair-2-4\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"en_US\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Klimawandel im Unterengadin und in der Val M\u00fcstair - Swiss National Park\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Ein Beitrag von Nina Genn\u00e9 (Universit\u00e4t Bern &amp; MeteoSchweiz) 22. 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